Prozesskostenhilfe als Zugpferd

Rechtsschutzversicherer Roland will enttäuschten Anlegern künftig auch Klagenfinanzieren

Anja Krüger

Der Kölner Rechtsschutzversicherer Roland trägt sich mit der Absicht, sein Prozessfinanzierungsgeschäft massiv auszubauen. Künftig sollen Versicherungsvermittler Kunden direkt auf die Möglichkeit hinweisen, dass Roland die Kosten für ein Verfahren trägt. Im Gegenzug erhält der Prozessfinanzierer einen Teil der erstrittenen Summe. Bislang weisen vor allem Anwälte auf das Angebot hin.

Roland will so vor allem auch enttäuschte Anleger gewinnen, bei denen der Rechtsschutz wegen Nicht-Versicherbarkeit oder Ausschlüssen nicht greift. Neben Konflikten bei Kapitalanlagen ist das unter anderem auch bei Erbstreitigkeiten der Fall.

Vor allem Anleger mit neueren Rechtsschutzpolicen haben es schwer, von Versicherern unterstützt zu werden. Als Reaktion auf die Klagewelle enttäuschter Telekom-Anleger hatten 2002 viele Anbieter die Ausschlüsse stark ausgeweitet. Ob der Versicherer die Kosten für einen Prozess trägt, hängt vom Einzelfall ab. Weigert er sich oder haben Geschädigte keine Police, können sie sich an einen Prozessfinanzierer wenden. Neben Firmen wie Foris sind Töchter von Versicherern hier tätig, darunter Ergo und Roland. Die Allianz allerdings zieht sich mangels Erfolg aus dem Geschäftsfeld zurück.

Beim Kölner Versicherer Roland dagegen stehen die Zeichen auf Ausbau. „Wir verfolgen eine neue Strategie, bei der wir die Prozessfinanzierung mit dem Rechtsschutz verzahnen“, sagte Roland-Chef Gerhard Horion. Künftig sollen Vermittler Geschädigte direkt auf das Angebot hinweisen. Die Idee: Kunden wenden sich an Außendienstmitarbeiter, wenn sie ihren Rechtsschutzversicherer brauchen. Statt den Geschädigten mit einer Absage zu enttäuschen, empfehlen die Vermittler den Prozessfinanzierer. Roland gehört mehreren Versicherern, unter anderem der Gothaer und der Axa. Etwa die Hälfte des gesamten Geschäfts erzielt Roland über die Vertriebe der Aktionäre.

Die Klienten des Prozessfinanzierers gehen kein finanzielles Risiko ein. Gewinnen sie vor Gericht, müssen sie Roland bei Streitwerten bis 500 000 Euro 30 Prozent abgeben, bei höheren 20 Prozent. Die Finanzierer sind wählerisch. Sie checken nicht nur die Erfolgsaussichten, sondern auch, ob der Beklagte überhaupt zahlen könnte. Von 100 geprüften Fällen akzeptiert Roland fünf. 2011 nimmt der Prozessfinanzierer mit einer zweistelligen Zahl an Fällen voraussichtlich 900 000 Euro ein. „Wir erwarten mittelfristig eine deutliche Belebung des Geschäftsvolumens“, sagte Horion. Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe hält Roland für realistisch.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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