Swiss Re hofft auf Krisenboom

Rückversicherung als Eigenkapitalersatz Alternative für Versicherer

Herbert Fromme , Köln

Die Swiss Re erwartet in den kommenden Monaten deutlich mehr Nachfrage nach Rückversicherungsschutz. Erstversicherer, die mit Endkunden Geschäfte machen, müssten mit Abschreibungen auf Staatsanleihen aus Krisenländern fertig werden, sagte Stefan Lippe, Konzernchef des weltweit zweitgrößten Rückversicherers, der FTD. Außerdem verlangt die EU unter den Aufsichtsregeln Solvency II ab 2013 höhere Eigenmittel.

Die Versicherer brauchen deshalb mehr Kapital – doch können sie, so Lippe, beim Wettkampf um frisches Geld nicht mit den Banken mithalten. „Die Banken haben so strenge Auflagen, dass sie das ganze freie Kapital, das für Finanzinstitute zur Verfügung steht, absorbieren werden“, sagte er.

Zwar sei es zurzeit auch schwierig für die Banken, Geld im freien Markt einzusammeln. Dennoch erwartet er, dass die Versicherer Probleme haben werden, ihre Nachfrage nach frischem Geld von Anlegern wegen des Kapitalhungers der Banken zu befriedigen.

Rückversicherung sei als Eigenkapitalersatz die Alternative, sagte er. Tatsächlich benötigt ein Versicherer weniger Eigenmittel, sofern er Risiken nicht selbst trägt, sondern an einen Rückversicherer weitergibt. „In der Bilanz sieht man nicht, ob ein Versicherer Geld in der Finanzkrise verloren hat oder durch ein Erdbeben.“

Allerdings ist der Umsatz der Branche in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen, weil die Versicherer mehr Risiken behielten und mit ausreichend Kapital ausgestattet waren. Prominente Analysten wie Christopher Hitchings von Keefe, Bruyette & Woods bezweifeln deshalb trotz Krise, dass die Wende für den Rückversicherungsmarkt jetzt da ist.

Lippes selbstbewusstes Auftreten hat zwei Gründe. Am Donnerstag hatte er überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt. Swiss Re verdiente 1,3 Mrd. Dollar (0,94 Mrd. Euro), verglichen mit 0,6 Mrd. Dollar im Vorjahr. Allerdings sind Quartalszahlen von Rückversicherern weniger aussagekräftig als die anderer Branchen, weil sie Risiken langfristig tragen und das zufallsbedingte Ausbleiben von Großschäden wie im dritten Quartal die Zahlen spürbar beeinflusst.

Noch wichtiger ist für Lippe, dass sich die Kreditwürdigkeit gebessert hat. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte am 28. Oktober die Bonität von „A+“ auf „AA-“ heraufgesetzt. Damit steht Swiss Re wieder auf einer Stufe mit Weltmarktführer Munich Re. Swiss Re hatte sich 2008 mit der Absicherung von Kreditderivaten verhoben und war in eine schwere Krise geraten. Vorstandschef Jacques Aigrain musste gehen.

Die neue Führung fährt seither einen extrem vorsichtigen Kurs. So hält Swiss Re keine Griechenland-Anleihen und nur 74 Mio. Dollar in Papieren anderer Euro-Krisenländer. Dagegen hält Munich Re 10 Mrd. Euro in solchen Anleihen, 5,3 Mrd. Euro allein aus Italien. „Wir haben früh entschieden, nur in Euro-Ländern mit ,AAA`-Toprating zu investieren“, so Lippe. Das sind Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Österreich.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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