Versicherungsverband GDV stoppt Imagekampagne

Beschränkte Wirkung // Krach um aggressive Ergo-Werbung

Herbert Fromme , Köln

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat seine im Dezember 2009 begonnene Imagekampagne still und leise eingestellt. Entsprechende Informationen der FTD bestätigte eine Sprecherin. Zu den Gründen wollte sich der Verband nicht äußern. Zwischen einzelnen Versicherern gibt es handfesten Krach wegen der Kampagne, hieß es in Branchenkreisen.

„Was ist Ihnen lieb und teuer?“ oder „Wo sehen Sie sich in 30 Jahren?“, fragte der GDV auf Plakaten, in Anzeigen und Fernsehspots sowie auf einer Tour mit einem Doppeldeckerbus durch deutsche Städte. Ziel war es, das schlechte Image der Versicherer aufzupolieren. Außerdem wollte die Branche angesichts der Finanzkrise ihre Stabilität betonen.

Pro Jahr gab der Verband nach Angaben aus der Branche 18 Mio. Euro aus, davon 14 Mio. Euro für Anzeigen, Plakate und Fernsehwerbung. Entwickelt wurde die Kampagne von der Hamburger Agentur Jung von Matt/Elbe, seit 2011 führte sie die Berliner Firma Zum Goldenen Hirschen. Die Werbekampagne habe durchaus Wirkung gezeigt und wegen der beschränkten finanziellen Mittel kaum erfolgreicher sein können, hieß es bei Verbandsmitgliedern, die dem Projekt positiv gegenüberstanden.

Andere Versicherer werfen großen Gesellschaften vor, durch eigene Werbemaßnahmen die GDV-Kampagne unterlaufen zu haben. Vor allem die Munich-Re-Tochter Ergo wird von Konkurrenten scharf angegriffen. Sie polemisiert in ihren großen Werbeaktionen, die allein 2010 rund 50 Mio. Euro kosteten, gegen die gesamte Konkurrenz und verspricht, die Versicherung im Interesse der Kunden neu zu erfinden. Zusammen mit den Skandalen bei Ergo habe der Konzern mehr dafür getan, dass sich das Image der Branche verschlechtert, als die GDV-Werbekampagne jemals hätte ausrichten können, um es zu verbessern, sagte ein verärgerter Vorstand, der anonym bleiben wollte.

Auch die Allianz hatte 2010 eine große Kampagne zur Förderung des eigenen Images begonnen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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