Finanzkrise trifft Millionen Versicherte

Allianz senkt Zinsen in der Lebensversicherung

Herbert Fromme , Köln

Die Schuldenkrise hat spürbare Folgen für Millionen Versicherungskunden. Wie die Allianz-Lebensversicherung gestern mitteilte, senkt sie die Überschussbeteiligung für ihre Kunden. Statt 4,1 Prozent wie 2011 erhalten sie 2012 nur 4,0 Prozent auf ihre Sparbeiträge gutgeschrieben.

Der mit 8,7 Millionen Kunden und 15 Mrd. Euro Umsatz größte deutsche Lebensversicherer zieht damit Konsequenzen aus niedrigen Zinsen am Markt und der Finanzkrise. „Die Anpassung ist vor dem Hintergrund der veränderten Kapitalanlagewelt unvermeidlich“, sagte Unternehmenschef Maximilian Zimmerer. So sei die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen von Anfang bis November 2011 von 2,9 auf 1,8 Prozent gesunken.

Wettbewerbsvorteil gesichert Eine Reduzierung um nur 0,1 Prozentpunkte ist sehr ungewöhnlich. Damit fällt erheblicher Verwaltungsaufwand an – und die Allianz ist finanziell so stark, dass sie den alten Satz hätte beibehalten können. Doch will der Konzern einerseits klarmachen, dass er den Krisenfolgen nicht ganz ausweichen kann. Andererseits will er die psychologisch wichtige Grenze von vier Prozent nicht unterschreiten. Damit sichert sich die Allianz einen wichtigen Vorteil im immer heftigeren Konkurrenzkampf: Die Verunsicherung an den Finanzmärkten schreckt potenzielle Kunden ab. Umso wichtiger werden dadurch hohe Zinsen.

Lebensversicherer legen Kundengelder langfristig an, mehr als 80 Prozent in festverzinslichen Papieren. Deshalb treffen Niedrigzinsen sie besonders hart – aber verzögert. Derzeit erzielen die Unternehmen gute Gesamtrenditen, weil sie viele ältere Papiere mit höherem Zins besitzen. Deren Anteil sinkt aber.

Die Gesellschaften schreiben ihren Kunden jährlich eine Überschussbeteiligung gut. Sie besteht mindestens aus dem zum Datum des Vertragsabschlusses geltenden Garantiezins, dazu kommt meist ein Überschuss, der sich nach Kapitalmarkterträgen und sonstigen Gewinnen des Versicherers richtet. Allerdings verzinsen die Anbieter nur den Sparanteil, meist rund 80 Prozent des Kundengelds. Den Rest wenden sie vor allem für Kosten auf.

Deutlicher Rückgang seit 2000 Die Allianz reduziert weniger als Rivalen. Bei der Axa sinkt die Überschussbeteiligung um 0,2 Punkte auf 3,8 Prozent ab. „Wir erwarten, dass der Markt im Durchschnitt um etwa 0,15 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent reduzieren wird“, sagte Reiner Will, einer der Chefs der Versicherungsratingagentur Assekurata. 2000 betrug die Überschussbeteiligung der Allianz noch 7,5 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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