Pest oder Cholera

Bürgerversicherung oder gleiche Regeln für alle: Die privateKrankenversicherung ist bedroht

Ilse Schlingensiepen , Köln

Wäre dieser Satz von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gekommen, hätten die privaten Krankenversicherer (PKV) nur mit den Schultern gezuckt. Es war aber CDU-Mann Jens Spahn, der kürzlich im ZDF-Magazin „Frontal 21“ sagte: „Ich glaube, dass wir bis 2020 wahrscheinlich diesen getrennten Versicherungsmarkt nicht mehr haben werden.“

Damit hatte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion das absehbare Ende der Trennung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung zum Thema gemacht. Das duale System wird nach der Erwartung von Spahn allmählich abgelöst durch eine Annäherung beider Systeme: Private Krankenversicherer werden stärker reguliert, die Kassen wiederum müssen sich mehr Wettbewerb stellen. Am Ende gleichen sich die Spielregeln an.

Viele PKV-Manager fürchten, dass ihre Unternehmen dann von der Übermacht der gesetzlichen Konkurrenz erdrückt würden. Dieses Szenario wäre aus Sicht der PKV auch nicht besser als die von SPD und Grünen favorisierte Bürgerversicherung. Dann gäbe es nur noch ein einheitliches gesetzliches System, in dem alle Bürger einkommensabhängig einzahlen und die gleichen Leistungen bekommen. Das wäre das Aus für die Vollversicherung, das Hauptgeschäftsfeld der PKV.

Selbst Politiker, die eigentlich für eine Stärkung der PKV sind, scheuen Maßnahmen, die den Privaten nutzen und den Krankenkassen schaden. Schließlich sind 90 Prozent der Bevölkerung gesetzlich versichert. „Ich werde lieber von 50 Prozent der GKV-Versicherten gewählt als von 100 Prozent der PKV-Versicherten“, zitiert der Direktor des PKV-Verbands, Volker Leienbach, einen Berliner Politiker.

FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr hält noch an dem dualen System fest. „Wir brauchen Vielfalt im Gesundheitswesen“, sagt er, verlangt aber auch Veränderungen von der Branche: „Es kann in der PKV nicht alles so bleiben, wie es ist.“ Von schwindendem Rückhalt aus der Politik will der Vorsitzende des PKV-Verbands, Reinhold Schulte, aber nichts wissen. „Wir sind ein ernst zu nehmender Partner der Politik“, sagt er. Die von der SPD favorisierte Bürgerversicherung sei nicht finanzierbar. „Persönlich bin ich der Meinung, dass eine Bundesregierung egal welcher Couleur bei einer Umstellung auf die Bürgerversicherung riesige Probleme mit den Menschen bekommen würde“, sagt Schulte. Immer mehr würden sich dann für eine private Voll- oder Zusatzversicherung entscheiden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit