Beitrag sparen mit Eigenbeteiligung

Kleine Schäden selbst tragen senkt die Versicherungsprämie // Vermittlerspielen oft nicht mit

Friederike Krieger

Wer bereit ist, im Schadenfall einen Teil der Kosten selbst zu übernehmen, dem gewähren Versicherer Nachlässe bei der Prämie. „Je nach Höhe der gewählten Selbstbeteiligung und Sparte sind Beitragsentlastungen bis zu 50 Prozent möglich“, sagt eine Sprecherin des Versicherers Ergo. Selbstbehalte gibt es in der Haftpflicht- und Krankenversicherung, aber auch bei Hausrat-, Wohngebäude-, Rechtsschutz-und Kfz-Policen.

Es gilt: Je höher die Eigenbeteiligung, desto höher ist auch der Prämiennachlass. So bringt ein Selbstbehalt von 150 Euro in der Hausratversicherung bei Ergo 15 Prozent Ersparnis. Wer bereit ist, im Schadenfall 1000 Euro selbst zu tragen, bekommt 40 Prozent Nachlass.

Nach Ansicht von Thomas Leicht, Chef der Gothaer Allgemeine, sind Selbstbehalte vor allem bei Policen mit hohen Prämien sinnvoll. „15 Prozent Ersparnis sind bei einer Haftpflichtpolice, die zwischen 50 und 100 Euro Jahresprämie kostet, nicht die Welt“, sagt er. Bei einem Kombiprodukt, bestehend etwa aus Gebäude-, Hausrat-, Haftpflicht und Rechtsschutzversicherung, das mit vielleicht 600 Euro zu Buche schlägt, sehe das anders aus. „Da kommt genug Prämienvolumen zusammen, so dass der Selbstbehalt interessant wird“, sagt Leicht. Während sich in der Privathaftpflicht nicht einmal fünf Prozent für eine Eigenbeteiligung entscheiden, sind es bei den Kombiprodukten zwischen 32 und 49 Prozent der Versicherten.

Die Gesellschaften erhoffen sich von der Eigenbeteiligung unter anderem einen Rückgang der Betrugsfälle. „Jemand, der die Versicherung betrügen will, vereinbart keinen Tarif mit Selbstbehalt“, glaubt Leicht. Zudem hilft die Eigenbeteiligung, den Schadenaufwand zu reduzieren. „Bei Kleinstschäden ist die Abwicklung oft teurer als der Schaden selbst“, sagt er.

Der Haken: Vermittler verkaufen oft nur ungern Tarife mit Selbstbehalt. Denn mit den Prämien sinken auch ihre Provisionen. Eine Lösung wäre, dem Vermittler für Tarife mit Selbstbehalt die gleiche Vergütung zu zahlen wie für Tarife ohne Eigenbeteiligung. Einige Versicherer würden das schon praktizieren, sagt Leicht.

Hajo Köster vom Bund der Versicherten hält Selbstbehalte für sinnvoll. Kunden sollten aber genau abwägen, bevor sie sich dafür entscheiden. „Eigenbeteiligungen lohnen sich nur, wenn die Prämienersparnis hoch ist und der Kunde mit wenig Schäden rechnet“, sagt er. Für einen Single kann ein Selbstbehalt sinnvoll sein, für eine Familie mit drei Kindern aber nicht. Viele Schäden fressen die Prämienersparnis schnell auf.

Manchmal bestehen Versicherer auf einen Selbstbehalt. Das ist der Fall, wenn der Versicherer den Kunden nach einem großen Schaden an seinem Haus vor die Wahl stellt, entweder zu kündigen oder die Gebäudepolice mit einem hohen Selbstbehalt weiterzuführen. „Die Eigenbeteiligung ist dann oft die einzige Möglichkeit, überhaupt noch Versicherungsschutz zu bekommen, denn nach einer Kündigung bekommt man nur schwer einen neuen Vertrag“, sagt Köster.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit