Zurich muss für Zockerei büßen

Arzthaftpflicht kommt deutsche Niederlassung teuer // Konzern verdientinsgesamt besser

Herbert Fromme , Köln

Der Schweizer Versicherer Zurich hat 2011 die Reserven für Schäden aus früheren Jahren in Deutschland um 200 Mio. Dollar (152 Mio. Euro) aufstocken müssen. „Dabei handelt es sich vor allem um Arzthaftpflicht und Architektenhaftpflicht“, sagte Finanzchef Pierre Wauthier vor Journalisten. Das Unternehmen hatte jahrelang viel zu billig Versicherungen für diese Berufsgruppen gezeichnet. Haftpflichtschäden kommen oft erst nach Jahren ans Licht, wenn sich Baumängel oder die Folgen einer Fehlbehandlung zeigen. Jetzt erweisen sich die Reserven der Zurich als zu niedrig.

Ende 2011 hatte Deutschland-Chef Eduard Thometzek das Unternehmen überraschend verlassen. Zurich bestreitet einen Zusammenhang mit den Fehlkalkulationen.

Ohnehin hat der Versicherer, der vor allem in Europa und den USA aktiv ist, am deutschen Markt zurzeit wenig Freude. In der Lebensversicherung ging das Neugeschäft um zehn Prozent zurück, eine Folge des Einbruchs im Markt für Lebenspolicen gegen Einmalbeitrag. Gleichzeitig macht sich Zurich Sorgen wegen der vergleichsweise hohen Garantien aus klassischen Lebensversicherungen, die im scharfen Kontrast zu den niedrigen Zinsen stehen. Im Neugeschäft will sich der Versicherer deshalb auf fondsgebundene Policen stützen, kündigte Konzernchef Martin Senn an. Bei ihnen tragen die Kunden das Kapitalmarktrisiko.

Zurich Financial Services – demnächst Zurich Insurance – konnte den globalen Nettogewinn für 2011 trotz der Finanzkrise und Belastungen von 1 Mrd. Dollar aus Naturkatastrophen um zehn Prozent auf 3,77 Mrd. Dollar steigern. Die Dividende soll bei 17 Franken (14 Euro) bleiben. Die zur internen Steuerung verwendete Kennzahl des operativen Gewinns, bei dem Sonderfaktoren herausgerechnet werden, ging dagegen um zwölf Prozent auf 4,26 Mrd. Dollar zurück.

Dass der Konzern unterm Strich eine leichte Gewinnsteigerung erzielte, lag an den höheren Kapitalerträgen. Hier verbuchte Zurich für 2011 9,37 Mrd. Dollar, verglichen mit 7,99 Mrd. Dollar im Jahr zuvor. Absicherungsgeschäfte wirkten sich ebenso positiv aus wie der Verkauf älterer Anleihen mit höheren Zinsen, die mit Gewinn abgegeben wurden.

Zu einer möglichen Zahlung an die Deutsche Bank nach deren Vergleich mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch über rund 800 Mio. Euro wollte Konzernchef Senn nicht Stellung nehmen. „Wir sagen prinzipiell nichts zu einzelnen Kundenbeziehungen und Schäden“, sagte Senn. Zurich führt ein Konsortium, das die Managerhaftpflicht der Bank mit 500 Mio. Euro abdeckt. Auch die Allianz ist beteiligt. Versicherungskreise bezweifeln, dass die Versicherer zahlen müssen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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