Carsten Maschmeyer setzt auf Billigräder

Früherer AWD-Chef wird größter Gesellschafter beim Aldi-Lieferanten Mifa //Ausnahmeregel befreit von Übernahmeangebot

Klaus Max Smolka, Frankfurt,

und Herbert Fromme, Köln

Carsten Maschmeyer ist zum größten Aktionär bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa) aufgestiegen. Der umstrittene Finanzunternehmer hat weitere vier Prozent der Anteile gekauft und hält nun 33 Prozent, wie das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt mitteilte. Ein Übernahmeangebot werde er nicht abgeben. Das ist normalerweise ab einem Anteil von 30 Prozent Pflicht – diese Regel gilt aber nicht im wenig regulierten Freiverkehrssegment der Münchner Börse, wo die Mifa-Aktie notiert ist.

Maschmeyer steht wegen aggressiver Verkaufspraktiken des von ihm gegründeten Finanzvertriebs AWD in der Kritik. Außerdem machte er Schlagzeilen wegen seiner engen Verbindung zu Ex-Bundespräsident Christian Wulff und dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. In den Klatschspalten taucht Maschmeyer zudem regelmäßig durch seine Beziehung zur Schauspielerin Veronica Ferres auf, die er demnächst heiraten will.

Der frühere Medizinstudent und Leichtathlet Maschmeyer hatte AWD 2007 an den Versicherer Swiss Life für knapp 1,2 Mrd. Euro verkauft. Einen Teil des Erlöses investierte er bei den Schweizern. Dort schied er 2011 als Verwaltungsrat aus und verkaufte einen Teil seiner Aktien. Die mehr als 50 Mio. Euro legt er nun neu an.

So stieg er im Dezember über sein Investmentvehikel Paladin bei der Pflegeheimkette Marseille-Kliniken ein, die durch personelle Querelen und finanzielle Verflechtungen zwischen Unternehmen und Großaktionär ins Gerede gekommen ist. Maschmeyer nutzte die niedrige Bewertung; die Aktie war binnen fünf Jahren von über 17 Euro auf gut 2 Euro abgestürzt.

Kurz zuvor hatte er ein Paket an Mifa erworben, deren Aktie ebenfalls einen dramatischen Kursverfall hinter sich hatte. Seit dem Einstieg im Oktober hat sich der Wert allerdings verdoppelt. Gestern legte die Aktie noch einmal um neun Prozent auf 8,70 Euro zu. Damit ist der Kurs nicht mehr weit von den 9,30 Euro entfernt, zu denen die Papiere beim Börsengang 2004 auf den Markt kamen. Maschmeyers Mifa-Paket ist jetzt rund 22 Mio. Euro wert. Nicht nur Maschmeyer stockte auf: Vorstand Peter Wicht erwarb 100 000 Aktien und hält nun ebenfalls über 30 Prozent. Mifa stellt Fahrräder im Billigsegment her und beliefert unter anderem Aldi. Am Absatz gemessen ist Mifa der größte deutsche Fahrradhersteller.

Zu weiteren Beteiligungen, die Maschmeyer unlängst eingegangen ist, zählt der Finanzinvestor GCI Management. Zudem stieg er beim Elektronik- und Solarzulieferer AEG Power Systems ein, an dem er die Anteile aber nach rund zwei Monaten wieder mit Gewinn verkaufte.

Neben den erfolgreichen Finanzspekulationen baut Maschmeyer auch sein Netzwerk weiter aus. So hat er zusammen mit dem früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup das Beratungsunternehmen Maschmeyer Rürup ins Leben gerufen. Auch die Gründung des Pharmaunternehmens Holsboer Maschmeyer Neurochemie mit dem renommierten Depressionsforscher Florian Holsboer gehört offenbar in die Kategorie Langfristanlage.

Zudem ist Maschmeyer unter die Buchautoren gegangen. Näheren Aufschluss über seine Investitionen verspricht er in seinem doppeldeutig betitelten Buch „Selfmade: erfolg reich leben“, das am 19. März erscheint.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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