Containerreeder schwören Kampfpreisen ab

Preise für Transporte zwischen Schanghai und Europa steigen // Marktführer Maersk beteuert Abkehr von aggressiver Strategie

Patrick Hagen , Köln

Der Preiskampf der großen Containerlinien geht zu Ende. In den vergangenen Wochen haben Reedereien wie Maersk Line und Hapag-Lloyd auf der Hauptstrecke zwischen Asien und Europa erfolgreich die Preise angehoben. Zwischen Mitte Februar und dem 1. März stiegen die Frachtraten für kurzfristige Geschäfte nach Angaben der Shanghai Shipping Exchange hier um fast 100 Prozent auf 1412 Dollar pro Standardcontainer (TEU).

Mit der Teuerung geht ein ruinöser Kampf um Marktanteile zu Ende, den Marktführer Maersk Line und der Branchenzweite MSC angezettelt hatten. Der Preiswettbewerb dürfte im vergangenen Jahr bei nahezu der gesamten Branche für rote Zahlen gesorgt haben. Maersk musste für 2011 einen Verlust von 537 Mio. Dollar in der Containerschifffahrt vermelden. Der deutsche Marktführer Hapag-Lloyd überraschte immerhin mit einem positiven operativen Ergebnis – das Nettoergebnis verkündet die Reederei allerdings erst nächste Woche.

Nun hat Maersk der Branche offenbar einen Waffenstillstand angeboten. „Wir sind da, wo wir sein wollen bezüglich der Größe, und daher ändert sich unser Fokus von ,schneller als der Markt wachsen wollen` zu ,mit dem Markt wachsen`“, sagte Sören Skou der Schifffahrtszeitung „Lloyd’s List“. Maersk wolle das nutzen, um höhere Raten zu bekommen. Sollte die Konkurrenz das Angebot nicht annehmen, werde das Unternehmen sich aber wehren: „Wir hoffen, unsere Wettbewerber sind damit auch zufrieden. Sollte das nicht so sein, werden wir unserer Position um jeden Preis verteidigen“, so Skou, der im Januar den langjährigen Maersk-Line-Chef Eivind Kolding ablöste.

Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Wir sehen erste Anzeichen, dass unsere Industrie zur Vernunft kommt. Es erweist sich wieder einmal, dass der Wettbewerb um Marktanteile sich nicht auszahlt, wenn er nur über den Preis ausgetragen wird“, sagte Behrendt der FTD.

„Allerdings reichen die ersten Ratenerhöhungen nicht aus, um die hohen Energiekosten zu kompensieren“, so Behrendt. Die Kosten für den Schiffsdiesel, den sogenannten Bunker, sind in den vergangenen drei Jahren von rund 200 Dollar pro Tonne auf 700 Dollar pro Tonne gestiegen. Das vermeldet der Branchendienst Alphaliner.

Deshalb haben eine Reihe von Linien zum 1. April bereits weitere Preiserhöhungen angekündigt. Dann wird sich zeigen, ob den Reedern die Trendwende gelungen ist. Für die Branche hängt außerdem viel davon ab, ob sie es schafft, die höheren Raten auch auf anderen wichtigen Routen – beispielsweise zwischen Asien und den USA – durchzusetzen.

Für viele der deutschen Eigner und Schiffsfonds, die ihre Schiffe an die Linienreeder vermieten, wird der Aufschwung allerdings zu spät kommen. Experten rechnen in dieser Sparte mit weiteren Zusammenbrüchen. Eine ganze Reihe von Schiffsfonds hat in den vergangenen Wochen bereits Insolvenz angemeldet.

Selbst wenn sich die Frachtratenerhöhungen als nachhaltig erweisen, wird es eine ganze Weile dauern, bis sich das auch auf die Charterraten – die Mietpreise für Schiffe – niederschlägt. Denn es gibt immer noch zu viel Frachtraum. Nur durch eine Verknappung der Kapazitäten konnten sich deshalb die Linien mit den Preiserhöhungen durchsetzen. Ihren Appetit auf Charterschiffe hat das fürs Erste gedämpft. Dazu kommt, dass noch eine ganze Reihe neuer Schiffe in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen. Zwar gibt es bereits die ersten Charterratensteigerungen bei größeren Schiffen, die Preise sind aber immer noch weit davon entfernt, wieder auskömmlich zu sein.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit