Generali braucht Geld für Osteuropa

Italienischer Versicherer plant Verkäufe von Töchtern // Kapitalerhöhung sollvermieden werden

Herbert Fromme , Köln

Das Triester Versicherungs-Schwergewicht Generali prüft nach Angaben aus Branchenkreisen den Verkauf weiterer Tochtergesellschaften. Der Konzern, mit 70 Mrd. Euro Prämieneinnahmen neben Allianz und Axa einer der drei größten europäischen Versicherer, hatte erst Anfang März seine Gesellschaft in Israel für 835 Mio. Euro veräußert.

Jetzt stehen weitere Verkäufe an. Schließlich muss Generali Ende 2013 rund 2,7 Mrd. Euro aufbringen, um seinen tschechischen Partner Petr Kellner aus der gemeinsamen Gesellschaft Generali PPF Holding herauszukaufen. Kellner, der reichste Geschäftsmann Tschechiens, kann dann seine Anteile der Generali andienen. Das Unternehmen nahm zu möglichen Verkaufsplänen nicht Stellung.

An der in den Niederlanden angesiedelten Holding Generali PPF mit der Hauptverwaltung in Prag hält der italienische Versicherer 51 Prozent, Kellner ist mit 49 Prozent beteiligt. Durch das 2008 errichtete Gemeinschaftsunternehmen hat der Konzern seine Präsenz im lukrativen osteuropäischen Markt kräftig ausgebaut. Sie will er nicht aufgeben, sondern stärken. Zur General PPF gehört auch der größte tschechische Anbieter Ceska Pojistovna.

Das Problem: Die Finanzkrise schnürt den finanziellen Spielraum des Generali-Konzerns deutlich stärker ein als den der Rivalen Axa aus Paris und Allianz aus München. Generali hält traditionell viele italienische Staatsanleihen, die in den vergangenen Monaten heftig unter Druck standen.

Das Management unter Konzernchef Giovanni Perissinotto will aber auf jeden Fall vermeiden, die Aktionäre um frisches Geld zu bitten, damit der Osteuropa-Anteil gekauft werden kann – das würde den Aktienkurs belasten. Und für 2011 hat Generali gerade erst die Dividende gekürzt. Nach einem Gewinneinbruch von knapp 50 Prozent zahlt der Versicherer statt 45 Cent nur noch 20 Cent je Aktie. Da käme es an der Börse schlecht an, wenn die Führung die Anteilseigner jetzt um mehr Kapital bittet.

Eigentlich hatte das Triester Management erwartet, bis 2013 genug zu verdienen, um Kellner auszahlen zu können. Das allerdings hat die Finanzkrise verhindert. Deshalb werden nun die Firmenverkäufe erwogen. Deutschland sei aber „vollständig außen vor“, hieß es. Die Generali Deutschland, die heute in Köln ihre Jahreszahlen für 2011 vorlegen will, trägt inzwischen rund 25 Prozent zum Weltumsatz der Italiener bei und gilt als Perle.

Auch in Asien will Generali eher wachsen als Firmen verkaufen. Dann bleiben Töchter in für nicht strategisch gehaltenen europäischen Märkten oder Nordamerika. Entscheidungen gibt es bislang nicht.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit