Kölner Generali erfreut die klamme Mutter in Triest

Deutscher Versicherer steigert Gewinn trotz hoher Krisenbelastung //Finanzamt hilft mit // Dividendenerhöhung sorgt für kräftigen Kursanstieg

Herbert Fromme , Köln

Allianz, Munich Re und andere Marktgrößen erleiden scharfe Gewinneinbrüche wegen der Finanzkrise. Doch ausgerechnet Generali Deutschland, stärker als die meisten Rivalen in griechischen Staatsanleihen engagiert, verdiente 2011 sogar mehr als im Vorjahr. Der Konzern meldete einen Gewinn von 416 Mio. Euro nach zuvor 402 Mio. Euro.

Dem Triester Mehrheitseigner kommt das sehr gelegen. Er kann die um 1,10 Euro auf 4,85 Euro erhöhte Dividende aus Köln gut gebrauchen, schließlich ist sein Gewinn im Heimatmarkt ist eingebrochen. Für die Minderheitsaktionäre, die sieben Prozent an der deutschen Holding halten, wirkt sich die erneute Dividendenerhöhung doppelt positiv aus. Der Kurs ihrer Aktien legte gestern kräftig um 17 Prozent auf 67 Euro zu.

„Sonderfaktoren haben uns geholfen“, sagte Konzernchef Dietmar Meister gestern in Köln. So wirkten sich Erstattungen vom Finanzamt und das Auflösen von Steuerrückstellungen mit 78 Mio. Euro positiv aus – zufällig derselbe Betrag, mit dem die Abschreibungen von 704 Mio. Euro auf griechische Staatsanleihen im Ergebnis ankommen. Denn der größte Teil der Abschreibungen geht zulasten der Kunden, die anderenfalls an Gewinnen partizipieren.

Konzernchef Meister sieht die Gruppe bei den Kernzielen auf Kurs. „Wir wollen die Spitzenposition bei Vertriebskraft und Ertrag“, sagte er. Der Rückgang beim Umsatz von 1,7 Prozent auf 16,2 Mrd. Euro stört ihn nicht besonders: „Das ist Ergebnis des Rückgangs des Einmalbeitrags in der Lebensversicherung.“

Der Konzern tritt mit den Hauptmarken Generali, Aachen-Münchener, Cosmos und Central an. Der Finanzvertrieb DVAG, an dem Generali 40 Prozent hält, verkauft 45 Prozent der Lebenspolicen und 35 Prozent der Verträge in der Schadenversicherung.

Schwachpunkt in der Generali-Bilanz ist der Krankenversicherer Central, der sich mit Billigpolicen verhoben hat. Inzwischen hat der Konzern den Absatz dieser Verträge eingestellt, die Preise steigen kräftig – Anfang 2012 im Schnitt um 12 Prozent, „im Einzelfall auch 30 Prozent“. Der Central-Außendienst wurde aufgelöst, viele Vertreter gingen zur DVAG.

Auch über den umstrittenen Vertrieb MEG des inzwischen insolventen Mehmet Göker verkaufte die Central Policen – und gewährte hohe Provisionsvorschüsse. „Wir haben durch die Insolvenz 2009 einen einstelligen Millionenbetrag verloren“, sagte Meister. Das ganze Thema Central und Billigpolicen sei „mehr ein Reputationsproblem als ein finanzielles Problem“, sagte Meister.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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