Allianz päppelt Unternehmer in eigenen Reihen

Ehemaliger Versicherungsvertreter baut selbstständige Geschäftseinheit aus //Auslagerung vermögender Privatkunden geplant

Herbert Fromme , Bad Friedrichshall

Die Allianz baut einen ehemaligen Versicherungvertreter zu einem starken Unternehmer innerhalb des Konzerns auf. Walter Szabados, der schon jetzt innerhalb der Allianz mit seiner Esa-Gruppe eigenständig Transportversicherungen organisiert, hat gute Chancen, das Geschäft auszubauen. Denn der Konzern prüft, auch die Versicherung wohlhabender Privatleute in Deutschland an eine ähnliche Serviceeinheit auszulagern. „Wir sind darüber im Gespräch“, bestätigte Esa-Chef Szabados der FTD. Es geht dabei um den Versicherungsschutz von teuren Privatgebäuden, hochwertigem Hausrat oder Oldtimern.

Die Allianz hat mit Szabados ein einzigartiges Geschäftsmodell getestet. 14 Jahren nach dem Start hat sich die Esa so gut etabliert, dass sie nun als Vorbild dient. Allianz-Chef Michael Diekmann selbst verweist gern auf die kleine, unternehmergeführte Geschäftseinheit im Großkonzern. Dient sie ihm doch als probates Mittel, um verkrustete Strukturen aufzubrechen und interne Konkurrenz zu fördern. Inzwischen studieren auch andere Versicherer das Esa-Modell.

Szabados hatte vor 30 Jahren seine Ausbildung im Konzern begonnen und später ein Studium zum Versicherungsfachwirt absolviert. Er machte sich als Allianz-Vertreter selbstständig, arbeitete als Makler und entdeckte eher durch Zufall die Binnenschiffer als lukrative Kundschaft. „Ich habe als Hobby in einer Band Keyboard gespielt, Oldies. Und 1985 spielten wir auf dem Schifferball beim damaligen Schiffsversicherungsverein Haßmersheim“, erzählt der 51-Jährige. Die Vereinsmitglieder hatten neben der Schiffsversicherung auch Bedarf an Hausrat-, Lebens- oder Autoversicherungen. „Das habe ich gemacht, immer auf den Schiffen von Schleuse zu Schleuse“, so Szabados.

1997 gründete er mit Erlaubnis der Allianz die Euro Ship Assekuranz (Esa) in Bad Friedrichshall, damals mit fünf Mitarbeitern. Inzwischen sind es drei Firmen, die mit unterschiedlichen Anteilsstrukturen der Allianz und Szabados gehören. 182 Mitarbeiter organisieren mittlerweile das inländische Transportversicherungsgeschäft der Allianz Versicherung – von Tausenden Speditions-Lkw bis hin zu Jachten. Das bringt 130 Mio. Euro Prämieneinnahmen.

Die Esa entwickelt die Versicherungsprodukte für die Spezialbereiche, berät Allianz-Vertreter und Makler, regelt Schäden und hält das ganze mit einer eigenen IT am Laufen. Das Versicherungsrisiko trägt aber allein die Allianz. „Wir sind als Unternehmen und ich privat direkt vom Ergebnis unseres Bestandes abhängig“, sagt Szabados. Bislang hat die Esa stets einen Gewinn erzielt. „Wir geben nur 89 bis 92 Prozent der Beiträge für Schäden und Kosten aus“, so Szabados.

Das Geschäft mit reichen Privatkunden eignet sich auch für das Modell. Diese Klientel verlangt nach persönlicher Betreuung, was zu aufwendig ist für die auf Massengeschäft ausgerichteten Versicherer. „Große Konzerne sind gut beraten, Nischen anders zu betreiben“, glaubt Szabados. „Das System ist ausbaufähig.“ Allerdings gibt es in der Allianz auch Kritiker, die den indirekten Zugriff des Konzerns monieren. Dass der die Esa auflösen würde, wenn sie mal zwei, drei Jahre Verluste produzieren sollte, fürchtet Szabados nicht. „Wir haben unser eigenes Frühwarnsystem.“ Daran sei ihm selbst gelegen: „Schließlich werde ich ertragsorientiert bezahlt.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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