Bauboom treibt Bürgschaftsgeschäft

Immobilien werden für Investoren attraktiver. Davon profitieren die Anbietervon Garantien

Anne-Christin Gröger

Zumindest eine Branche scheint trotz der Schuldenkrise und der Unsicherheiten an den Finanzmärkten ordentlich zu boomen – die Bauindustrie. Im Januar verzeichneten Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ein Auftragsplus von durchschnittlich 19 Prozent, beim Wohnungsbau stieg die Anzahl der Neuaufträge sogar um fast 35 Prozent. Das nützt auch den Kautionsversicherern. Sie übernehmen für Firmen Garantien, die deren Kunden verlangen oder die gesetzlich vorgeschrieben sind.

Vor allem in der Bauwirtschaft und im Anlagen- und Maschinenbau spielen diese Bürgschaften eine große Rolle. Firmen sichern damit Anzahlungen oder Ansprüche ab, die ihre Kunden wegen Mängeln nach der Fertigstellung etwa eines Gebäudes feststellen. Das Gesetz sieht vor, dass Handwerksfirmen für Mängel an fertiggestellten Wänden, Dachstühlen oder Isolierungen noch fünf Jahre nach Bauabschluss haften müssen. Gehen sie aber vorher pleite, hat der Bauherr das Nachsehen.

„Die Finanzkrise führt dazu, dass viele Unternehmen und Privatleute in Immobilien als sichere Anlage investieren – das steigert auch die Nachfrage nach Bürgschaften“, sagt Caspar Seeländer, Spezialist für Kredit- und Kautionsversicherung bei der Signal Iduna. Der Hamburger Versicherer verkauft vor allem Gewährleistungsbürgschaften an Handwerker und andere kleinere Baubetriebe. Risikoträger ist dabei der Wiesbadener Versicherer R+V, neben der Hannoveraner VHV einer der führenden Anbieter von Bürgschaften. Die R+V übernimmt die Risikoprüfung und die Schadenabwicklung. Partner Signal Iduna berät und verschafft der R+V Zugang zu seinem großen Bestand an Handwerkerkunden.

In der Regel bürgen die Anbieter für fünf bis zehn Prozent des Auftragswertes. Die Kosten dafür hängen vom Risiko und der Art der Bürgschaft ab und liegen zwischen einem und 3,5 Prozent der Bürgschaftssumme.

Bevor der Versicherer einen Vertrag unterschreibt, prüft er genau, wie es um die wirtschaftliche Lage der Firma bestellt ist, für die er bürgen soll. Er sieht sich Jahresabschlüsse und Bankenspiegel an. „Bei größeren Unternehmen steht auch ein Besuch vor Ort im Terminkalender, um sich einen besseren Einblick in das Geschäftsmodell zu verschaffen“, sagt Marita Kraemer, Vorstandsmitglied bei der Zurich. Die Gesellschaft bürgt zwar hauptsächlich für mittelständische und große Firmen, hat aber auch Angebote für kleinere Betriebe.

Kraemer glaubt, dass die Kautionsversicherer in Zukunft eine wichtigere Rolle beim Bürgschaftsgeschäft spielen werden, als sie es derzeit tun. „Die Banken werden das Geschäft künftig noch stärker auf uns Versicherer übertragen“, sagt sie. Sie erwartet, dass in drei Jahren die Kautionsversicherer 30 Prozent des Bürgschaftsgeschäfts zeichnen werden. Derzeit seien es rund 20 Prozent.

Michael Jander, Versicherungsberater beim Bund versicherter Unternehmer, bleibt skeptisch. „Viele kleinere Betriebe haben das Geschäft schon immer über ihre Hausbank abgewickelt und werden das auch weiterhin tun, schon aus Bequemlichkeit“, sagt er. „Erst wenn das Kreditlimit bei der Bank ausgereizt ist, holen sie sich den Versicherer ins Boot.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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