Munich-Re-Tochter Ergo plant Umbau der Vertriebe

Dimensionen des Arbeitsplatzabbaus noch nicht bekannt

Herbert Fromme , Köln

Der Düsseldorfer Versicherer Ergo will die Vertriebe umbauen. Vertriebsvorstand Rolf Wiswesser plane, die unterschiedlichen Systeme bei der Munich-Re-Tochter auf eine einheitliche Grundlage zu bringen, heißt es in Unternehmenskreisen. Am Ende des Prozesses wird möglicherweise ein Arbeitsplatzabbau stehen. Zur Größenordnung wollte eine Sprecherin nichts sagen. Wiswesser ist seit 2011 bei dem Versicherer, vorher war er Chef des Finanzvertriebs AWD.

„Im Mittelpunkt der Initiative steht die Verbesserung der Beratungsqualität, im Wesentlichen durch eine Vereinheitlichung des Beratungsansatzes“, sagte die Sprecherin.

Am Donnerstag hatte das „Manager Magazin“ vorab berichtet, Ergo stehe vor einer weiteren Sparrunde, die ähnlich groß wie die umstrittene Sanierung von 2008 sein soll. Damals musste der Konzern 180 Mio. Euro einsparen und 1800 Stellen abbauen.

Ergo dementierte, dass es um solche Größenordnungen geht. „Das Projekt aus dem Jahr 2008 diente vor allem der Erreichung bestimmter Ziele bei den Verwaltungskosten“, sagte die Sprecherin. Ähnliche Größen ständen heute nicht zur Debatte.

Ergo ist immer noch ein sehr heterogener Konzern, 15 Jahre nach Schaffung der Gruppe durch die Zusammenfassung von Victoria, der Hamburg-Mannheimer und weiteren Versicherern, und zwei Jahre nach Vereinheitlichung der größten Marken.

Insgesamt verkaufen 12 076 Vertreter für Ergo in Deutschland Policen – aber mit unterschiedlichen Methoden und Systemen. Die früher unter Hamburg-Mannheimer und Victoria agierenden Vertreterorganisationen arbeiten zwar jetzt beide unter den Ergo-Farben, sind aber organisatorisch getrennt. Dazu kommen Vertreter des Krankenversicherers DKV und des Rechtsschutzversicherers DAS, außerdem der Strukturvertrieb Ergo Pro, früher HMI. Er hatte mit einer Reise für Vertreter nach Budapest einschließlich der Zahlung von Prostituierten Schlagzeilen gemacht. Ergo Pro hat zwei Teile – den eigentlichen Strukturvertrieb und Agenturen.

Zwar verkaufen die Vertreter spartenübergreifend, aber die Provisionssysteme sind sehr unterschiedlich. So erreicht ein DAS-Vertreter trotz guten Absatzes von Lebenspolicen erst dann eine höhere Provisionsstufe, wenn er auch viele Rechtsschutzverträge verkauft hat – da ist seine Kundschaft in der Regel aber gut versorgt. Wiswesser will die Methoden vereinheitlichen.

In der klassischen Lebensversicherung gegen laufenden Beitrag und in anderen wichtigen Sparten blieb Ergo 2011 hinter dem Wachstum des Marktes zurück.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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