Ergo zentralisiert Versicherungsvertrieb

Munich-Re-Tochter will neue Struktur 2013 einführen // Gesellschaftenverlieren Kontrolle über Vertreter

Herbert Fromme , Köln

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo führt den Vertrieb seiner Produkte künftig selbst. Von der Umstrukturierung sind rund 10 000 Handelsvertreter und 1300 angestellte Mitarbeiter des Unternehmens betroffen, die spätestens ab Mitte 2013 in neuen Strukturen arbeiten sollen. Nach FTD-Informationen aus Branchenkreisen hat die Munich-Re-Tochter Gespräche mit den Vertretervereinigungen aufgenommen und die Betriebsräte unterrichtet. Verhandlungen über einen Jobabbau sollen folgen. Eine Ergo-Sprecherin bestätigte nur, dass es Gespräche gibt. Einzelheiten nannte sie nicht.

Mit dem Umbau will Ergo den Vertrieb ankurbeln, der momentan in wichtigen Sparten hinter dem Marktwachstum zurückbleibt – obwohl Ergo mehr Vertreter hat als etwa die Allianz. Bislang haben die Vermittler Verträge mit den einzelnen Versicherungstöchtern von Ergo – Ergo Versicherung, Ergo Lebensversicherung, dem Rechtsschutzspezialisten DAS in München oder dem Krankenversicherer DKV in Köln. Zwar vertreiben theoretisch alle Ergo-Vermittler alle Versicherungssparten, aber praktisch liegt der Schwerpunkt auf dem Verkauf für das „eigene“ Unternehmen.

Diese Strukturen will Vertriebsvorstand Rolf Wiswesser aufbrechen – und die Bindung des Vertreters an einen einzelnen Versicherer abschaffen. Wiswesser ist seit November 2011 bei Ergo, vorher war er Deutschland-Chef des Finanzvertriebs AWD. Wenn der Konzern den Vertrieb künftig selbst führt, werden auch die 1300 angestellten Innendienstler aus der Vertriebsunterstützung bei den einzelnen Gesellschaften in einer zentralen Struktur im Konzern arbeiten. Das wird zu einem spürbaren Abbau von Arbeitsplätzen führen.

Ergo folgt mit dem Umbau dem Modell der Allianz Deutschland, die vor sechs Jahren alle Vertreter ihrer Töchter unter eine einheitliche Führung gestellt hatte. Über den genauen rechtlichen Rahmen bestehe noch keine Einigkeit in der Ergo-Spitze, hieß es in den Branchenkreisen. Möglicherweise schafft der Konzern wie die Allianz eine separate Vertriebs-AG. Das zweite Modell, das derzeit die größeren Chancen hat, sieht so aus, dass der Vertrieb zwar wie eine separate Firma geführt wird, die Vertreter aber formal Verträge mit einer von zwei Gesellschaften aus dem Konzern haben.

Innerhalb der neuen Vertriebseinheit soll es zwei Säulen geben. Zur einen gehören die Vertreter, die bisher den Schwerpunkt in der Lebens- und Krankenversicherung hatten, also von der Ergo Lebensversicherung und DKV kommen. Die andere Säule besteht aus Vertrieblern mit Schwerpunkt Schadenversicherung, Ergo Versicherung und DAS. Ihre Provisionssysteme unterscheiden sich.

Es heißt, Wiswesser wolle zeitgleich eine neue Vertriebssoftware einführen, die den Vertretern die Arbeit spürbar erleichtern soll. Bisher müssen Ergo-Verkäufer Daten dreimal eingeben, wenn sie bei einem Kundengespräch drei verschiedene Policen abgesetzt haben. Künftig soll es reichen, die Daten einmal zu erfassen, damit der Vertreter mehrere Anträge leicht fertig stellen kann. Auch die zeitaufwendige und von den Vertretern gehasste Dokumentation der Beratung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, soll leichter werden.

Die 3000 hauptamtlichen Vertreter des Strukturvertriebs Ergo Pro, früher HMI, bleiben bei dem Umbau außen vor. HMI stand 2011 im Mittelpunkt des Skandals um Ergo, weil bekannt wurde, dass der Vertrieb 2007 eine Reise für Vertreter nach Budapest organisiert hatte, bei der die Firma Prostituierte zahlte.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit