Vertrauen in Griechenland schwindet

Kreditversicherer Euler Hermes deckt vorerst keine Exportrisiken in dassüdliche Land mehr ab // Kleiner Markt für Konzerne

Klaus Max Smolka, Frankfurt, Anja Krüger, Köln, Margret Hucko und Kathrin Werner, Hamburg, Michael Gassmann, Düsseldorf

Exporteure nach Griechenland haben es immer schwerer, Lieferungen gegen Zahlungsausfälle abzusichern. Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes sieht das Risiko wegen der politischen Unsicherheit inzwischen als zu hoch an. „Euler Hermes hat daher beschlossen, bis auf weiteres keine Lieferungen nach Griechenland mehr zu decken“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Bessere sich die Lage, werde die Entscheidung überprüft. Bestehende Verträge würden erfüllt.

Der Beschluss demonstriert das schwindende Vertrauen in das Krisenland. Im November war bereits der französische Kreditversicherer Coface aus dem Griechenlandgeschäft ausgestiegen. Der niederländische Anbieter Atradius urteilt hingegen Fall für Fall. „Atradius deckt weiterhin vertretbare Forderungsausfall-Risiken für Lieferungen nach Griechenland ab“, so eine Sprecherin. Kreditversicherer beobachten die Entwicklung von Ländern, Branchen und Einzelunternehmen und verfügen dafür über gigantische Datenbanken. Nach Auffassung der Risikoprüfer von Atradius gibt es in Griechenland durchaus noch gesunde Unternehmen – zum Beispiel Spargelexporteure, die von deutschen Firmen mit Verpackungsmaterial beliefert werden.

Die EU-Kommission kam im Frühjahr zu dem Schluss, Exporteure bekämen bei privaten Versicherern keine ausreichende Deckung mehr für Lieferungen nach Griechenland. Sie können seit April auf staatliche Garantien ausweichen. Die heißen in Deutschland Hermes-Bürgschaften, weil Euler Hermes das Geschäft für den Bund gegen Honorar abwickelt. Sie sind von den privaten Deckungen zu unterscheiden, die Euler Hermes nun aussetzt.

Mehrere Dax-Konzerne zeigten sich gelassen. Der Medizinanbieter Fresenius und der weltgrößte Chemiekonzern BASF etwa teilten mit, sie seien nicht betroffen. Fresenius sorgt für mögliche Zahlungsausfälle selbst vor und arbeitet in Problemländern mit Zwischenhändlern, um Forderungen abzusichern. Oder man bedient sich Factoring-Gesellschaften: Die kaufen dem Unternehmen Forderungen aus Lieferungen und Dienstleistungen ab und treiben gegen Gebühr das Geld beim Kunden ein.

Für die meisten Konzerne ist Griechenland ein kleiner Markt. Der Autobauer BMW verkaufte 2011 nur noch knapp 2500 Wagen, ein Viertel soviel wie vier Jahre zuvor. Fresenius und BASF erzielen deutlich weniger als ein Prozent ihres Umsatzes in dem Land – ebenso der Dax-Konzern Linde in seinem Gasegeschäft. In der Anlagensparte lag der Auftragsbestand Ende 2011 bei 1 Mio. Euro. Viele Konzerne beobachten aber die Lage genau. Der Baukonzern Hochtief bereitet sich auf einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro und andere Szenarien vor. „Der Vorstand ist schon aktienrechtlich verpflichtet, die Entwicklungen mit der gebotenen Aufmerksamkeit zu verfolgen“, sagte ein Sprecher, ohne auf Details einzugehen. Zwei schon begonnene Mautstraßen-Projekte, an denen Hochtief als Partner mitwirkte, liegen seit dem vergangenen Jahr still.

Ein Sonderfall ist das Geschäft mit Sonnenenergie: Der griechische Solarmarkt ist sehr klein, aber er wächst. Die angeschlagene deutsche Branche setzt große Hoffnungen darauf. „Das ist ein wichtiger Markt für uns“ , sagte eine Conergy-Sprecherin. „Wir betrachten die Entwicklung in Griechenland mit Sorge“, so eine Sprecherin von Phoenix Solar. „Die Themen werden im Vorstand diskutiert.“ Die Solarkraft sei sowohl für Griechenlands Wirtschaft als auch als Absatzmarkt wichtig, sagte ein Solarworld-Sprecher. „Aber eine gesicherte Finanzierung ist da alles, daran hakt es.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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