Allianz scheut neue Energien

Versicherer fordert von Politik Anreize für Investitionen in Windparks undNetze

Herbert Fromme , München

Die Allianz verlangt Zugeständnisse von der EU-Kommission und der Bundesregierung, um Investitionen in Offshore-Windprojekte und Stromtrassen zu ermöglichen. „Wir investieren zurzeit überhaupt nicht in deutsche Offshore-Windparks“, sagte Armin Sandhövel, Chef der Konzerntochter Allianz Climate Solutions. Der Konzern legt nur 1,3 Mrd. Euro der 460 Mrd. Euro Kapitalanlagen in alternative Energie in Europa an – 1 Mrd. Euro in Windanlagen zu Lande und 300 Mio. Euro in Solarenergie. Damit erzielt er immerhin sieben Prozent Rendite.

Anders sieht es bei Offshore-Windparks aus: „Es handelt sich um das Geld von Kunden für deren Altersversorgung, da hat die Finanzaufsicht BaFin etwas gegen riskante Anlagen“, sagte Sandhövel. Alternative Energien zählten aber zu den Hochrisikoinvestments. „Nach den Regeln von Solvency II müssen wir solche Anlagen mit 49 Prozent Eigenkapital unterlegen, das ist ebenso viel wie bei Investitionen in Hedge-Fonds oder in eine Mobilfunkgesellschaft in Zimbabwe.“ Er forderte Änderungen an den Aufsichts- und Kapitalregeln Solvency II.

Konzernvorstand Clement Booth verlangte eine „Risikopartnerschaft“ zwischen Staat und Privatwirtschaft. Da es bislang nur wenig Erfahrungen mit Schäden aus Offshore-Windparks gebe, müsse sich die Berliner Regierung an möglichen Ausfällen für Investoren beteiligen, sagte Booth.

Auch bei den dringend benötigten Investitionen in Stromtrassen gibt es nach Ansicht der Allianz politische Hindernisse. „Die Trennung von Stromproduktion und Netz stellt uns vor Probleme“, sagte David Jones, Chef der Allianz Specialised Investments. Da die Allianz durch ihre Beteiligung an landbasierten Windanlagen und Solarenergie als Investor in der Stromerzeugung gelte, könne sie nur mit großen Problemen auch Geld in Leitungen anlegen. „Dabei ist das für uns sehr attraktiv. Wir legen langfristig an und sind schließlich auch in norwegischen Gaspipelines engagiert“, sagte Sandhövel.

Als Versicherer sieht die Allianz die Windenergie vor der Küste weniger kritisch. Sie deckt den Bau großer Windparkprojekte ab. Auch den Betrieb versichert sie – aber nur mit Jahresverträgen. Ein gefürchteter Großschaden könnte so passieren: Ein Schiff durchtrennt ein Seekabel und mehrere Windparks stehen längere Zeit still.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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