Euler Hermes kippte Plan für Ihr Platz

Versicherer verweigert Schlecker-Tochter Deckung

Henning Hinze, Hamburg,

und Herbert Fromme, München

Der Verkauf von Ihr Platz ist an fehlendem Vertrauen in den Rettungsplan gescheitert. „Entscheidend für den Abbruch der Gespräche war, dass es keine Einigung über die Wiederaufnahme der Warenkreditversicherung gab“, sagte eine mit der Materie vertraute Person. Kreditversicherer Euler Hermes sei die Versicherung von Lieferungen in der geforderten Höhe und zu den geforderten Konditionen zu riskant gewesen. Der Preis für die alten Warenbestände, der ebenfalls zeitweilig Verhandlungsgegenstand war, sei dagegen nicht entscheidend gewesen.

Dass Euler Hermes sich ausgerechnet dem Neugeschäft verweigert, ist ein Misstrauensvotum gegen den Kaufinteressenten Dubag und sein Konzept. Der Finanzinvestor wird von Michael Schumann geführt, dem früheren Chef des Finanzinvestors Arques. Die Grundlage für sein Fortführungskonzept hatte die Unternehmensberatung Roland Berger geschrieben. Schumann hatte den Verkauf von Ihr Platz mit dessen Insolvenzverwalter Werner Schneider verhandelt und einen notariellen Vertrag unterschrieben. Später hatte er außerdem Interesse an Schleckers in die Tochterfirma Schlecker XL ausgelagerten großen Filialen angemeldet.

Die Übernahme platzte am vergangenen Freitag überraschend, weil Dubag sich nicht mit Euler Hermes einigen konnte. Der größte Gläubiger hat einen Eigentumsvorbehalt auf den Warenbestand, den Dubag ablösen musste – und hätte Warenlieferungen der Konsumgüterindustrie künftig wieder absichern müssen, weil die das Risiko sonst nicht eingeht. Letzteres sei gescheitert und habe das Ende besiegelt, heißt es nun in mit der Sache vertrauten Kreisen. Dazu habe am Rande auch beigetragen, dass Euler Hermes sich von Schumann durch dessen Interviews erpresst gefühlt habe. Am Wochenende hatten aber auch Zweifel an der Finanzkraft des Investors die Runde gemacht.

Unterdessen bringen sich die Konkurrenten im Kampf um die Filetstücke von Schlecker und Ihr Platz in Stellung. DM könne 60 bis 80 Filialen gebrauchen, wird Firmenchef Erich Harsch in einer Mitteilung zitiert. „Logistisch ließen sich die Märkte sofort integrieren, eine Umstellung auf unser Ladenbild könnten wir zeitnah vollziehen.“ Eine ähnliche Zahl hatte schon Konkurrent Rossmann genannt. Schlecker XL, vor allem aber Ihr Platz haben attraktive Standorte, die den Konkurrenten gut in ihre Wachstumspläne passen würden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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