Generali inthronisiert neue Führungsspitze

Drittgrößter europäischer Versicherer stürzt langjährigen Konzernchef undwirbt Mario Greco beim Konkurrenten Zurich ab

 

Herbert Fromme , Köln,

 

und Tobias Bayer, Mailand

 

Vielen traditionsbewussten Generali-Mitarbeitern gilt der 1831 in Triest gegründete Versicherungskonzern als letzte Bastion des untergegangenen Habsburgerreiches. Schließlich war Triest die wichtigste Hafenstadt der kaiserlichen und königlichen Monarchie Österreich-Ungarn. Und bei Generali waren sie stolz auf Werte, die für diese Zeit stehen: solide und europaweit aufgestellt, ordentliche Verwaltung, äußerst konservativ.

 

Zumindest die Machtverhältnisse im rot verklinkerten Hauptquartier des Versicherers an der Triester Hafenfront sind noch mindestens so kompliziert wie damals. Entsprechend schwer wird es Mario Greco haben, der nun an die Generali-Spitze rücken soll, nachdem der langjährige Konzernchef Giovanni Perissinotto am Wochenende gestürzt wurde.

 

Noch ist Greco unter Vertrag beim Schweizer Rivalen Zurich, dort verantwortet der 52-Jährige weltweit das Schaden- und Unfallgeschäft. Bis er aus seinem Vertrag herauskommt, wird Verwaltungsratspräsident Gabriele Galateri di Genola den Konzern leiten. Die beiden kennen sich von mancher Familienfeier: Greco ist mit Galateris Nichte verheiratet.

 

Dessen Unterstützung wird der neue Chef brauchen. Denn innerhalb von Generali gilt Greco vielen als Abgesandter des Großaktionärs Mediobanca, der sich mehr Einfluss wünscht. Tumulte in der Führungsspitze hat das Institut in der Vergangenheit mitbefeuert. Erst stürzte 2010 der Mediobanca-Manager Cesare Geronzi den damals 85-jährigen Antoine Bernheim vom Posten des Verwaltungsratspräsidenten und nahm den Platz selbst ein. Ein Jahr später musste er den nach Krach mit dem Management jedoch wieder räumen. Die bisherige Generali-Führung unter Perissinotto, Finanzchef Raffaele Agrusti und Europa-Manager Sergio Balbinot hatten zuletzt Ruhe in das Unternehmen gebracht. Doch nach hohen Abschreibungen und einem Ergebniseinbruch wird Perissinotto nun nach elf Jahren aus dem Amt gejagt.

 

Greco wird vor allem das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen müssen, die die Unruhe im Konzern sorgt – und der schwächelnde Aktienkurs. Er hat den Stallgeruch der internationalen Finanzwelt, den große institutionelle Anleger lieben. Studium in Rom und Rochester im US-Staat New York, dann acht Jahre McKinsey, bevor er 1995 zur italienischen Allianz-Tochter Ras geht. Er fängt an als Schadenschef macht schnell Karriere und wird 2000 Italien-Chef der Allianz.

 

Das macht Greco so gut, dass die Allianz ihn 2005 zum Vorstand der Konzernobergesellschaft macht – aber Greco verlässt schon nach wenigen Monaten den Konzern. „Er kam mit der deutschen Konsenskultur in diesen Gremien nicht klar“, sagt ein Kollege. Der Italiener spricht hervorragend englisch, Deutsch hat er dagegen nur wenige Brocken gelernt. Er geht stattdessen zur italienischen Finanzgruppe Sanpaolo IMI in Mailand und leitet deren Versicherer Eurizonvita mit dem klaren Ziel des Börsengangs. Dazu kommt es nicht – Zurich wirbt ihn 2007 ab.

 

Seine Unruhe kann der Manager auch in Gesprächen kaum verbergen. Stets wippen die Füßen, greift er nach dem Handy, spielt mit dem Kugelschreiber. Nun ist wieder Zeit für einen Wechsel.

 

Italienische Kabale16

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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