Versicherer gehen wieder ins Risiko

Alte Leipziger verdoppelt ihre Aktienquote

Friederike Krieger , Oberursel,

und Herbert Fromme, Bonn

Deutsche Versicherer kaufen wieder verstärkt Risikopapiere: Um ihre hohen Zinsversprechen halten zu können, plant die Alte Leipziger-Hallesche, im großen Stil in Aktien zu investieren. Seit Jahresende 2011 habe der Konzern seine Aktienquote von null auf fünf Prozent der Kapitalanlagen erhöht, sagte der Vorstandsvorsitzende Walter Botermann am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. In den kommenden Jahren soll sich die Quote gar verdoppeln – auf zehn Prozent. Andere Versicherer wollen folgen.

Branche leidet unter Zinstief Mit dem Schritt reagiert die Gesellschaft auf den Anlagenotstand der Branche. Die Versicherer haben ihren Kunden Zinsgarantien von durchschnittlich 3,3 Prozent gegeben – bekommen aber für Neuanlagen in festverzinsliche Papiere heute deutlich unter drei Prozent. „Die Lage der Lebensversicherer ist angespannt“, sagte Elke König, Chefin der Finanzaufsicht BaFin, am Dienstag. Die Ertragskraft der Kapitalanlagen werde zwar noch etliche Jahre ausreichen, um die Garantieversprechen einzulösen. Die Neuanlage sei jedoch problematisch. Es sei abzuwarten, ob die Versicherer sich anderen Anlageformen zuwenden, „die eine bessere Rendite bei vertretbarem Risiko versprechen“.

Ein höherer Anteil von Aktien könnte für die Branche ein Ausweg aus dem Zinsdilemma sein. Zusätzlich will die Alte Leipziger verstärkt in Immobilien investieren. Der Lebensversicherer hält Kapitalanlagen im Wert von 16,4 Mrd. Euro. Andere Versicherer dürften dem Beispiel folgen. Die Aktienquote von Marktführer Allianz beträgt 7,2, die von Munich Re 3,1 Prozent. Beide denken über einen vorsichtigen Ausbau nach.

Sicherheiten vorgeschrieben Bis 2001 hatten die meisten Versicherer mehr als 20 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien, stiegen dann jedoch wegen der Krise am Markt aus. Seither dümpelt die Quote branchenweit bei deutlich unter fünf Prozent. Ein weiterer Grund: Nach den neuen Eigenkapitalrichtlinien Solvency II müssen Versicherer für Anlagen in Aktien weitere 40 Prozent der Anlagesumme als Eigenkapital vorhalten – bei Staatsanleihen wird kein Eigenkapital benötigt.

Die Alte Leipziger könne sich auch nach Solvency II eine hohe Aktienquote leisten, sagte Botermann. Er könne nicht stabil hohe Renditen garantieren, wenn er nur in Rentenpapiere investiere. So seien Aktien auch ein Mittel, die klassische Lebensversicherung mit Garantie zu erhalten: „Ich bin Anhänger klassischer Garantien, weil die Mehrheit der Bevölkerung sie haben will“, so der Manager.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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