Ablenkungsmanöver

Munich-Re-Chef von Bomhard fordert die Zerschlagung großer Banken. Dass seineBranche ebenfalls Risiken birgt und von Staatshilfen profitiert, ignoriert erdabei

Herbert Fromme

Seine Stimme hat Gewicht in der Finanzbranche und bei der Kanzlerin, sein Unternehmen steht trotz Krise vergleichsweise gut da. Jetzt hat der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re Nikolaus von Bomhard seinen tief sitzenden Frust über die Banken herausgelassen – und nichts Geringeres als die Zerschlagung von Häusern wie Deutscher Bank und Commerzbank verlangt. Ausgerechnet. Immerhin vertritt er bei Letzterer im Aufsichtsrat den Großaktionär Bundesrepublik Deutschland.

„Ich bin ein Anhänger des Trennbankenprinzips“, sagte von Bomhard am Montagabend. Darunter versteht man die Trennung von riskanten Feldern wie dem Investmentbanking von soliderem Geschäft, etwa mit Privatkunden. Es dürfe keine Institute geben, die so groß seien, dass sie bei Problemen von Regierungen unbedingt gerettet werden müssten. „Ich würde immer alles so klein machen, dass es nicht mehr too big to fail ist.“ Wie das Zerlegen der Institute konkret gelingen könnte, ließ der Konzernlenker freilich im Dunkeln.

Munich Re gehört mit 212 Mrd. Euro Kapitalanlagen – davon ein bedeutender Teil bei Banken – zu den wichtigen Adressen im Finanzsektor. Von Bomhard stellt zwar die Lage des eigenen Hauses in der Euro-Schuldenkrise positiv dar. Munich Re sei für jeden Ernstfall gerüstet. Die Attacke zeigt aber seinen Ärger darüber, dass die Folgen der Finanzkrise zunehmend auch seine Branche treffen: Die Niedrigzinsen machen ihr das Leben schwer, Brüssel und Berlin sind gerade dabei, auch für Versicherer deutlich schärfere Kapital- und Aufsichtsvorschriften einzuführen.

Von Bomhard ist dagegen der Überzeugung, dass Versicherer und Rückversicherer keine systemrelevanten Risiken darstellen. Negativbeispiele lässt er nicht gelten: Da ist der US-Versicherer AIG, der 2008 mit 183 Mrd. Dollar Staatshilfe gerettet werden musste. Auch die Übernahme der angeschlagenen Dresdner Bank durch die Commerzbank gelang nur mit Hilfe aus Berlin. Damit wurde Schlimmeres für den Ex-Eigner Allianz verhindert. Doch von Bomhard will in der Öffentlichkeit Distanz zwischen seiner Branche und den Banken schaffen. „Wir sitzen im selben Boot wie die Sparer.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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