Griechen setzen deutscher Containerschifffahrt zu

Knappe Finanzen erschweren Charterreedern aus Deutschland den Kauf neuerSchiffe // Südeuropäer zapfen internationalen Kapitalmarkt an

Patrick Hagen , Köln

Griechische Reeder profitieren von der Krise auf dem Containerschiffsmarkt und laufen deutschen Schiffseignern zunehmend den Rang ab. Zwar kontrollieren deutsche Charterreeder immer noch die weltgrößte Flotte von Containerschiffen, bei aktuellen Megadeals spielen sie aber fast keine Rolle mehr.

Aktuell hat Weltmarktführer Maersk Line nach Informationen der Financial Times Deutschland sieben große Containerschiffe mit Stellplätzen für 6700 Standardcontainer (TEU) gemietet, die zwei griechische Reedereien bei der Hyundai Werft in Südkorea geordert haben und die im nächsten Jahr abgeliefert werden. Zuvor hatte Evergreen mit dem griechischen Eigner Enesel einen Vertrag über zehn Schiffe mit einer Kapazität von je 13 800 Standardcontainern unterschrieben. Maersk zahlt einen Mietpreis von 30 000 Dollar bis 35 000 Dollar pro Tag und Schiff für die sieben Griechen-Containerfrachter – und hat sie für Perioden von drei bis fünf Jahre eingechartert, erfuhr die FTD aus Schifffahrtskreisen.

„Die Eigentümerstruktur der weltweiten Containerschiffsflotte ändert sich angesichts der Finanzkrise, weil griechische Reeder die Position der deutschen Eigner als die größten Charterreeder angreifen“, schreibt der Analysedienst Alphaliner.

Charterreeder leben davon, ihre Schiffe an Linienreedereien wie Maersk Line oder Hapag-Lloyd zu vermieten. Sie organisieren weder Fahrpläne noch Ladung für ihre Schiffe, sondern sind nur für den Betrieb verantwortlich und leben von den Mieteinnahmen. Die Linienreeder verdienen ihr Geld dagegen direkt mit dem Seetransport von Gütern.

Während deutsche Charterreeder seit Jahrzehnten den Containermarkt dominieren, engagieren sich die meisten Griechen erst seit drei Jahren in dem Markt. Ihre Stärken liegen in der Massengutschifffahrt, also dem Transport von Erzen oder Kohle, und dem Betrieb von Tankern.

Die Schwäche deutscher Charterreeder resultiert aus der Kreditknappheit und einem Mangel an Eigenkapital. Der Ende Juni angekündigte Rückzug der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung wird diese Situation noch verschärfen. Nach drei Jahren Krise sind nur noch wenige Reeder in der Lage, in neue Schiffe zu investieren. Privatanleger fallen angesichts der Hiobsbotschaften über Schiffsfonds als Geldgeber aus. In der Vergangenheit steckten sie Milliarden in Schiffsbeteiligungen und sorgten so erst dafür, dass deutsche Reeder ihre Flotten massiv ausweiten konnten.

Griechische Reeder hingegen besorgen sich ihr Eigenkapital zum Teil über in den USA an der Börse gelistete Firmen oder von Private-Equity-Unternehmen. Mit diesen Wegen der Kapitalbeschaffung haben deutsche Reeder bislang wenig Erfahrung. Sie dürften auch nur für die größeren Unternehmen infrage kommen. Die Mehrzahl der deutschen Schifffahrtsunternehmen ist aber relativ klein. Banken fordern schon lange, dass sich Reeder zusammenschließen sollen, um schlagkräftiger zu werden. Bislang ist noch nicht viel passiert. Der Hamburger Reeder Erck Rickmers führte sein Unternehmen E.R. Schiffahrt mit dem Konkurrenten Komrowski zusammen. Er will unter dem Dach aber weitere Reeder in einer Art Genossenschaft versammeln.

Noch liegen die deutschen Reeder allerdings klar in Front. Sie kontrollieren weltweit über 57,4 Prozent der Containerschiffe von Charterreedern und 33 Prozent aller Containerschiffe. Aber die Tendenz ist klar. Reeder aus Griechenland zeichnen laut Alphaliner für 73 Neubestellungen seit September 2008 verantwortlich. Das sind 44 Prozent aller von Charterreedern neu georderten Schiffe. Deutsche Unternehmen kamen nur auf 35 Bestellungen oder 23 Prozent.

Mit jeder Bestellung eines Neubaus durch griechische Reeder verlieren hiesige Unternehmen Marktanteile. Erst recht, weil neue Schiffe deutlich treibstoffärmer fahren, deshalb bei den Linienreedern beliebter sind und mehr Geld einbringen. Dazu kommt: Viele Schiffsfonds und Reeder stehen unter starkem Druck und mussten Schiffe verkaufen oder stehen kurz davor. Die Käufer kommen sehr häufig aus Griechenland.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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