BaFin prüft Zinsrisiken der Bausparkassen

Die Aufsicht will wissen, ob die Anbieter im Ernstfall ihre Verpflichtungengegenüber Kunden erfüllen können

Anne-Christin Gröger

Anne-Christin Gröger , Köln

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) plant im Herbst eine Zinsrisikoumfrage unter den deutschen Bausparkassen. Damit will sie prüfen, wie die Anbieter reagieren, wenn die aktuelle Phase der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt zu Ende geht. Die Aufsicht interessiert, ob die Kassen in der Lage sind, Zinszusagen gegenüber ihren Kunden weiterhin zu erfüllen. „Wir wollen das prüfen“, sagte ein BaFin-Sprecher und bestätigte so in Teilen einen Bericht des „Manager Magazins“.

Details zu der Prüfung wollte er nicht nennen. Er betonte jedoch, dass es sich nicht um einen außerordentlichen Test, sondern um regulatorische Routine handle. „Wir führen solche Umfragen in unregelmäßigen Abständen durch, die letzte ist mit Sicherheit mehr als ein Jahr her.“ Das derzeitige Niedrigzinsumfeld sei nicht der einzige Grund für die Umfrage.

Beim Bausparen kombinieren Kunden einen Sparvertrag mit einem Darlehensvertrag. Sie vereinbaren mit dem Anbieter eine feste Bausparsumme und sparen diese über mehrere Jahre bis zu einem vertraglich festgelegten Prozentsatz an, der meist zwischen 40 und 50 Prozent der Summe liegt. Auf die Einzahlungen erhalten sie Guthabenzinsen. Die Differenz zwischen dem Angesparten und der Bausparsumme gewähren die Bausparkassen als Kredit. Während bei Banken der Zins für einen Kredit nur für einige Jahre festgelegt wird, gilt er bei Bausparverträgen bis zur Rückzahlung des letzten Euro. Für die Bausparkassen könnte das zum Problem werden, wenn die Kreditzinsen am Kapitalmarkt wieder ansteigen. Dann dürften die Anbieter von ihren Kunden für bestehende Verträge weniger Zinsen verlangen, als sie selbst für frisches Geld bei den Banken bezahlen müssen.

Besonders kritisch könnte ein Zinsanstieg bei der Erfüllung der Zinsversprechen bei sogenannten Renditeverträgen werden. In diesen Verträgen haben Bausparkassen ihren Kunden Zinsen bis zu fünf Prozent versprochen, wenn sie dafür auf die Zuteilung des Bauspardarlehens verzichten. Solche Verträge werden heute nicht mehr angeboten, denn aufgrund des lang anhaltend niedrigen Zinsniveaus haben sie sich als Verlustgeschäft erwiesen.

Die Bausparkassen sehen der Ankündigung der Finanzaufsicht gelassen entgegen. „Untersuchungen der BaFin, bei denen die Auswirkungen unterschiedlicher Szenarien durchgerechnet werden, gehören für die Kreditinstitute und damit auch die Bausparkassen zum normalen Alltagsgeschäft“, sagte ein Sprecher des Verbands der Privaten Bausparkassen. „Sie fanden auch schon lange vor der Finanzkrise statt.“ Die Branche müsse sich regelmäßig Überprüfungen zu Zins- oder Kreditausfallrisiken stellen.

Auch die beiden größten Anbieter Schwäbisch Hall und Wüstenrot geben sich unbesorgt. „Wir haben uns bisher schon, wie andere Bausparkassen, den Tests der BaFin gestellt und werden das auch in dem angekündigten Stresstest tun“, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Unternehmens Wüstenrot. „Details des Vorhabens sind uns aber noch nicht bekannt.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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