Bittersüßer Erfolg für Munich Re

Rückversicherer auf bestem Weg, Jahresprognose zu überbieten // Höhere Preise schwer durchsetzbar

Herbert Fromme , München

Nach einem starken ersten Halbjahr erwartet der weltgrößte Rückversicherer Munich Re, dass er seine Gewinnprognose von 2,5 Mrd. Euro für das Gesamtjahr übertreffen kann. Von Januar bis Juni erzielte der Konzern nach Angaben vom Dienstag ein Ergebnis von 1,6 Mrd. Euro, verglichen mit einem Verlust von 210 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das lag unter anderem daran, dass die Belastung durch Großschäden im laufenden Jahr bisher deutlich geringer ist als im Vorjahr: Statt 3,6 Mrd. Euro musste Munich Re dafür nur 714 Mio. Euro ausgeben. 2011 hatten schwere Naturkatastrophen – vor allem das Japan-Beben – den Konzern getroffen.

Die guten Zahlen machen es Munich Re schwerer, die seit Jahren von Vorstand Torsten Jeworrek propagierten breitflächigen Preiserhöhungen durchzusetzen. Es gebe ausreichend Kapital in der Branche, sagte Jeworrek. Einzelne Segmente sähen zwar deutliche Preiserhöhungen nach hohen Schäden, wie in Japan oder Südostasien. „Aber im Breitengeschäft gibt es deutlich weniger Schwankungen.“ Von allgemeinen Preiserhöhungen war nicht mehr die Rede.

Rückversicherer schützen Versicherer wie die Allianz oder Zurich gegen Spitzenbelastungen. Außerdem decken sie große Konzerne ab. Die Ergebnisse schwanken naturgemäß stark. Quartals- und Halbjahreszahlen haben deshalb weniger Aussagekraft als in anderen Branchen.

Vorstandschef Nikolaus von Bomhard zeigte sich zufrieden: „Konzernweit lief das Geschäft erfreulich.“ Sorgen machen ihm Niedrigzinsen und die Euro-Krise. Munich Re spiele alle Optionen durch. „Die unerfreulichen Szenarien sind wahrscheinlicher geworden“, so von Bomhard zum Euro. Darauf reagiere der Konzern mit Mischung und Streuung der Kapitalanlagen. Laut Finanzchef Jörg Schneider drohen Munich Re bei einem Zerfall des Euro-Raums „erhebliche Verluste“.

Im Kerngeschäft Rückversicherung verdiente der Konzern in den ersten sechs Monaten des Jahres 1,3 Mrd. Euro, nach einen Verlust von 476 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Im laufenden Jahr schlägt die Dürre in den USA in der Ernteausfallversicherung negativ zu Buche – bislang stellte Munich Re dafür 160 Mio. Euro zurück. Doch sei dieses Geschäft weiterhin sehr lukrativ, sagte Jeworrek.

Von Bomhard bekräftigte seine Forderung, Geschäfts- und Investmentbanken zu trennen. „Wir müssen die Beweislast umkehren“, sagte er. Eine Bank müsse der Aufsicht beweisen, welche Aktivitäten aus der Investmentbank sie für ihr Firmen- und Privatkundengeschäft brauche. Die könne sie behalten, die anderen nicht. „Das wird das Ende des Eigenhandels bedeuten“, so von Bomhard mit Blick auf die Geschäfte, die die Banken auf eigene Rechnung machen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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