Allianz lässt Toptalente rotieren

Vorstände sollen sich für Konzernführung warmlaufen

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der Versicherungsriese Allianz bereitet mit einem Umbau an der Führungsspitze die Nachfolge von Konzernchef Michael Diekmann vor. Nach FTD-Informationen aus Branchenkreisen wird Dieter Wemmer, 55, Ende des Jahres neuer Finanzchef in der obersten Holdinggesellschaft. Amtsinhaber Oliver Bäte, 47, tauscht mit Wemmer die Zuständigkeiten. Im elfköpfigen Vorstand der Allianz SE ist Bäte künftig für das Versicherungsgeschäft in Süd- und Westeuropa zuständig, das bislang Wemmer betreute.

Schwierige Märkte Der Job ist anspruchsvoll: Zum Aufgabenbereich des Managers gehören künftig die großen Märkte Frankreich und Italien, aber auch Griechenland, die Türkei und die Beneluxstaaten. Gerade in Italien und Griechenland leidet die Allianz wie der gesamte Markt unter den Folgen der Finanzkrise.

Ein wichtiger Grund für Bätes Wechsel ist, dass er als einer der möglichen Kandidaten für die Diekmann-Nachfolge gilt. Der Allianz-Chef ist 57 Jahre alt und könnte 2015 seinen Posten räumen. Um erfolgreich für das Spitzenamt antreten zu können, muss der ehemalige McKinsey-Versicherungschef Bäte Erfolge bei der Leitung eines Länderbereichs vorweisen können. Ebenfalls für den Topjob gehandelt wird bislang auch Deutschland-Chef Markus Rieß.

Manche Allianz-Manager sehen zudem den neuen Finanzchef Wemmer als Anwärter auf die Spitzenrolle. Dagegen könnte sein Alter sprechen, dafür sein Ruf bei Fachwissen und Führungskompetenz – und die Tatsache, dass er als Finanzchef künftig an einer zentralen Schaltstelle sitzt.

Zwei entscheidende Jahre Wemmer gilt wie Bäte als ausgewiesener Kenner seines Fachs. Der Kölner ist promovierter Mathematiker. Bis 2011 arbeitete er beim Schweizer Versicherungskonzern Zurich und seinen deutschen Töchtern, wo er zuletzt Finanzchef war – und ebenfalls als geeigneter Kandidat für den Vorstandsvorsitz gehandelt wurde. In der Branche, bei Analysten und Investoren hat Bäte einen hervorragenden Ruf. Anfang des Jahres wählten ihn seine Schweizer Kollegen aus Großunternehmen zum „Finanzchef des Jahres 2012“.

Für die Diekmann-Nachfolge sind die kommenden zwei Jahre entscheidend. Legt der Konzernchef 2015 seinen Spitzenposten nieder, kann er 2017 Aufsichtsratschef werden. Die Allianz hält sich an die zweijährige Wartezeit zwischen einer Arbeit in operativer Funktion und einem Aufsichtsratsmandat. 2017 will Oberaufseher Helmut Perlet aufhören.

Harter Kurs bei Munich Re: Seite 13

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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