Angriff auf die Allianz

Ace ist einer der weltgrößten Industrieversicherer, in Deutschland bisheraber kaum sichtbar. Das soll sich jetzt ändern: Europa-Chef Andrew Kendrick willdie Marktführer das Fürchten lehren

Herbert Fromme

Herbert Fromme , München

Der Industrieversicherer Ace sagt Allianz, HDI-Gerling, Axa und Zurich den Kampf an. „Wir sind einer der weltgrößten Anbieter, in Deutschland aber unterrepräsentiert“, sagte Andrew Kendrick, Europa-Chef des in der Schweiz ansässigen Versicherers, der seine Wurzeln in Bermuda hat und in 53 Ländern tätig ist. „Wir gehören zu den wenigen Versicherern, die weltweite Programme für große Konzerne entwickeln und führen können“, sagte er der FTD. Die Zahl der Führungsmandate in Deutschland will er binnen kurzer Zeit „deutlich ausbauen“.

Die Großindustrie versichert ihre Risiken über Konsortien, einzelne Gesellschaften können die milliardenschweren Programme nicht stemmen. Der führende Versicherer beurteilt das Risiko und handelt Bedingungen und Preise aus. Er übernimmt meistens 20 bis 40 Prozent des Risikos selbst, den Rest decken andere ab.

Mit 21 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) Prämieneinnahmen ist Ace einer der weltgrößten Industrieversicherer und mit 26 Mrd. Dollar Börsenwert der fünftgrößte Versicherer überhaupt. In Europa erwirtschaftete Ace 2011 rund 4 Mrd. Dollar an Prämien, in Deutschland 225 Mio. Dollar. Ace ist hier zwar seit 1947 tätig, gehört aber nicht zu den Top fünf. Marktführer Allianz kommt auf rund 4 Mrd. Dollar, HDI-Gerling auf knapp 2 Mrd. Dollar.

„Wir sind in Deutschland kein kleiner Anbieter, aber wir sind nicht groß genug, um im Markt die Rolle zu spielen, die wir suchen“, sagte Kendrick. Das wolle Ace jetzt ändern. Übernahmen plant der Konzern in Europa allerdings derzeit nicht. „Wir schaffen das aus eigener Kraft.“ Für die Industriekonzerne ist das eine gute Nachricht. Die etablierten Versicherer versuchen, in großem Stil Preiserhöhungen durchzusetzen. Zwar ist Ace kein Billiganbieter, aber mehr Konkurrenz dämpft den Trend nach oben.

Allerdings muss Ace bei der deutschen Kundschaft Widerstände überwinden. Das Unternehmen hat zwar durch seinen Umzug von Bermuda in die Schweiz dafür gesorgt, dass es den Schweizer Eigenkapitalvorschriften entspricht, die denen der EU ähneln. Außerdem hat es mit „AA-“ ein ordentliches Rating. Aber viele Gesellschaften mit angelsächsischem Hintergrund haben ihre Schadenbearbeitung in London zentralisiert. Manager aus der Industrie erzählen Horrorgeschichten, wie schwer die Schadenregulierung bei Londoner Experten ist, die weder deutsch sprechen noch das hiesige Rechtssystem kennen.

„Für Ace trifft das nicht zu“, sagte Kendrick weiter. „Wir vertrauen auf die Schadenbearbeitung vor Ort, in Deutschland geschieht das aus Frankfurt. Wenn es sich um einen sehr großen Schaden handelt, werden unsere Büros in London und Paris eine größere Rolle spielen, aber die Niederlassungen bleiben federführend.“ Die Kommunikation funktioniere gut, auch mit den Kunden.

Auch gegen den Vorwurf, angelsächsische Versicherer zahlten Schäden langsamer als deutsche Konkurrenten, wehrt sich Kendrick energisch. „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um solche Vorstellungen zu bekämpfen“, sagte er. „Die Schadenbearbeitung und -zahlung ist unser Schaufenster, danach werden wir beurteilt.“ Deshalb könne es sich Ace gar nicht leisten, die Großkunden schlecht zu behandeln.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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