Hannover Rück beglückt Mutter Talanx

Der Talanx-Börsengang bringt weniger ein als erhofft. Wie gut, dass dieTochter zu viel Kapital hat und Geld überweist

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück erwägt, den Börsenkandidaten Talanx mit einer erheblich erhöhten Dividende für 2012 zu stützen. Unternehmenschef Ulrich Wallin sagte der FTD, Hannover Rück denke über eine höhere Ausschüttung für 2012 nach. Der Rückversicherer gehört zu 50,2 Prozent dem Versicherungskonzern Talanx, der zum 2. Oktober seine Erstnotiz an der Börse anstrebt. Wallin sitzt auch im Vorstand von Talanx.

Der warme Regen könnte einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Im Jahr 2011 hatte die bereits seit 1994 börsennotierte Hannover Rück nach Steuern 606 Mio. Euro verdient. Davon schüttete das Unternehmen 253 Mio. Euro oder 42 Prozent an die Aktionäre aus – an Talanx gingen knapp 127 Mio. Euro.

Analysten erwarten, dass der Gewinn der Hannover Rück 2012 deutlich höher ausfällt. Sollte das Unternehmen dann 60 Prozent oder 70 Prozent statt der bisherigen 42 Prozent ausschütten, kann die Gesamtsumme sich leicht verdoppeln.

Wallin hatte sich über eine höhere Ausschüttung zuerst auf einer Anlegerkonferenz am 18. September in London geäußert. Analysten zogen daraufhin einen Zusammenhang zum Talanx-Börsengang, der nach einigem Hin und Her jetzt 500 Mio. Euro statt der ursprünglich geplanten 700 Mio. Euro einspielen soll.

Talanx hatte die Übernahme der Mehrheit an der polnischen Warta-Gruppe in diesem Jahr für 700 Mio. Euro aus zwei Kreditlinien bei internationalen Banken finanziert. Teile des Ertrags aus dem Börsengang sollen dazu dienen, die Darlehen zu tilgen. Weil er nun weniger einbringt, klafft eine Lücke – sie könnte durch die höhere Dividende geschlossen werden. Wallin jedoch erklärte, die mögliche höhere Dividende habe nichts mit dem geringeren Ertrag des Talanx-Börsengangs zu tun. „Ich habe auf der Konferenz unsere strategische Grundausrichtung erklärt“, sagte er. „Dazu gehört, dass wir so viel Kapital vorhalten wollen, um die Anforderungen der Ratingagentur Standard & Poor’s für ein „AA-“ zu erfüllen, was die für uns die höchste Kapitalanforderung darstellt.“ Ein höheres Kapital kann Probleme bringen: „Wenn unser Kapital stark steigt, haben wir Probleme, die von uns angestrebte Eigenkapitalrendite zu verdienen.“

Das Kapital der Gesellschaft sei im ersten Halbjahr bereits um zehn Prozent gestiegen, unter anderem wegen der weiter wachsenden Reserven auf festverzinsliche Papiere.

Dazu kommt, dass die Rückversicherer bislang im Jahr 2012 nur wenige Großschäden verzeichnen mussten. „Wenn das bis zum Jahresende so weiterläuft, würde unser Kapital deutlich über dem für uns maßgeblichen Kapitalbedarf liegen“, sagte Wallin.

Hannover Rück könne das entweder durch Aktienrückkäufe oder durch eine höhere Dividende lösen. „Deshalb kann es sein, dass wir im kommenden Jahr für 2012 mehr als die von uns geplanten rund 40 Prozent des Gewinns ausschütten“, sagte Wallin.

Hannover Rück ist mit 15,7 Mrd. Dollar (12,1 Mrd. Euro) Prämieneinnahmen weltweit der drittgrößte Anbieter nach Munich Re mit 33,7 Mrd. Dollar und Swiss Re mit 28,7 Mrd. Dollar. Bei der Eigenkapitalrendite liegt das Unternehmen im Schnitt der Jahre 2007 bis 2011 mit 14,5 Prozent weit vor der Konkurrenz – Munich Re erzielte 9,4 Prozent, Swiss Re 5,1 Prozent. Steigt das Eigenkapital zu stark an, müsste Hannover Rück auch den Gewinn deutlich erhöhen, um die vergleichsweise hohe Rendite zu halten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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