Neuer Deutschland-Chef Buberl pflügt Axa um

Der Vorstand wird umgebaut, altgediente Manager müssen gehen. Künftig sollder Konzern vor allem wieder eines: versichern

 

Herbert Fromme

 

Herbert Fromme , Köln

 

Vier Monate nach seinem Amtsantritt bei Axa Deutschland schafft der 39-jährige Vorstandschef Thomas Buberl Fakten. Er verordnet dem Konzern eine neue Führungsstruktur, fokussiert das Geschäft auf den Kernbereich Versicherungen und trennt sich überraschend von zwei Vorstandsmitgliedern.

 

Damit folgt Buberl der Gesamtstrategie der französischen Mutter. Europas zweitgrößter Versicherer nach der Allianz organisiert sich in vielen Teilmärkten gerade neu. Jahrzehntelang war der Konzern, der aus einem kleinen Versicherungsverein entstanden war, vor allem durch Übernahmen rapide gewachsen. Seit 2010 konsolidiert Weltchef Henri de Castries die bestehenden Konzernteile.

 

Dabei muss Axa gleich mit zwei großen Herausforderungen fertig werden: So treffen die anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen – die Assekuranz investiert vorrangig in Anleihen – vor allem die Lebens- und Krankenversicherungstöchter. Hinzu kommen die neuen europaweiten Aufsichtsregeln Solvency II, die zu Änderungen im Eigenmittelbedarf und in der Transparenz führen. Und in Deutschland wirtschaftet die Axa in puncto Wachstum und Profitabilität ohnehin eher mittelmäßig.

 

Axa werde sich künftig stärker auf das Versicherungsgeschäft fokussieren, teilte Buberl mit. Damit erteilt er reinen Kapitalanlagen wie den hochsummigen Policen gegen Einmalbeitrag eine Absage. Versicherer hätten in den vergangenen Jahren eine große Palette an Produkten und Leistungen entwickelt, die über das Kerngeschäft deutlich hinausgingen, sagte Buberl. „Damit haben sie sich nicht nur in einen branchenübergreifenden Wettbewerb begeben, sondern auch von dem entfernt, was Kunden erwarten“, sagte er. Das seien Risikoschutz und solide Gesundheits- und Altersvorsorge. „Für Stabilität und langfristigen Erfolg ist entscheidend, wie gut wir unser Kerngeschäft betreiben.“

 

In Buberls Konzept für die Zukunft der Axa Deutschland haben zwei Vorstände keinen Platz mehr: Markus Hofmann und Ulrich Nießen müssen gehen. Hofmann, der einen ausgezeichneten Ruf als Fachmann gerade für die Gewerbeversicherung hat, war seit 2001 bei Axa und zuständig für die Schaden- und Rückversicherung. Nießen kam 1999 und war seit 2006 Vorstand für Personal und Recht.

 

Der Weggang der beiden Manager überrascht Kenner der Versicherungsbranche. „Nießen hat denen doch die gesamten Vereinbarungen mit den Betriebsräten verhandelt, mit denen sie Ruhe im Unternehmen hatten“, sagte ein Konkurrent.

 

Axa hat mehrere Stellenkürzungsrunden hinter sich, die Nießen weitgehend geräuschlos organisieren konnte. Seit Ende 2011 verhandelt Axa mit den Betriebsräten über ein Sparprogramm, mit dem bis Ende 2015 durch den Abbau von 1600 Vollzeitstellen 328 Mio. Euro gespart werden sollen. Dabei geht es auch um die mögliche Verlängerung einer Vereinbarung, nach der Axa auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Die Gespräche sollen zum Monatsende abgeschlossen sein.

 

Zudem baut Buberl die Führungsstruktur um. Bislang gab es einen sogenannten Gruppenvorstand mit elf Teilnehmern, in dem die Mitglieder des Konzernvorstands sowie Vorstände von Einzelgesellschaften saßen. Die Manager trafen dort die wichtigen Entscheidungen über alle Gesellschaften.

 

Künftig gibt es wieder einen separaten Konzernvorstand aus acht Mitgliedern. Entscheidungen der einzelnen Gesellschaften werden in separaten Sitzungen von deren Vorständen getroffen. Thomas Michels, bislang Chef von Axa Kranken, rückt in den Konzernvorstand und übernimmt die Zuständigkeit für Schaden- und Unfallversicherung, Privatkunden, Firmen- und Industriekunden sowie die Schadenabwicklung. Kapitalanlagevorstand Heinz-Jürgen Schwering leitet künftig daneben die Krankenversicherung. Personal macht Buberl selbst.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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