Talanx sagt Börsengang wieder ab

Der Versicherungskonzern macht erneut einen Rückzieher – Anleger wolltennicht den gewünschten Preis zahlen

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der Hannoveraner Versicherer Talanx hat den für Ende September geplanten Börsengang am Mittwoch abgesagt. Investoren wollten den von Talanx geforderten Preis für die Papiere nicht zahlen. „Die Höhe des von den Investoren geforderten Abschlags auf den Unternehmenswert war weder für uns noch für unseren Anteilseigner akzeptabel“, ließ Konzernchef Herbert Haas mitteilen.

Die Absage ist ein Schlag für Talanx. Es dürften Jahre vergehen, bis der Konzern einen neuen Anlauf starten könne, sagte ein Insider. Auch die beteiligten Banken sehen nicht gut aus. Der Börsengang wurde von Citibank, Deutscher Bank und JP Morgan Chase begleitet, Talanx ließ sich zudem von Rothschild beraten. Der Rückzug wirft den gesamten Markt für Listings weit zurück. Dabei hatten zuletzt wieder mehr Firmen den Weg an die Börse angetreten, auch weil sich das Marktumfeld angesichts des angekündigten Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank stark verbessert hat.

Wie die FTD aus Investorenkreisen erfuhr, zielte Talanx nach der Beratung durch die Banken auf eine Unternehmensbewertung, die rund 80 Prozent bis 90 Prozent des Buchwerts entsprochen hätte. Mit dieser Bewertung werden auch andere Versicherer wie Allianz und Munich Re gehandelt. Investoren waren aber nur zu niedrigeren Zahlungen bereit. „In der Spitze wurden weniger als 70 Prozent des Buchwerts angeboten“, hieß es. Viele Anleger waren noch skeptischer und wollten weniger zahlen.

Talanx hätte nach der mit dem Börsengang geplanten Kapitalerhöhung einen Buchwert von rund 7,1 Mrd. Euro gehabt. Das Unternehmen gehört bisher zu 100 Prozent dem Versicherungsverein HDI, der seinerseits von der deutschen Industrie kontrolliert wird. Der Verein will Mehrheitsaktionär bleiben. Mit dem Börsengang wollte Talanx rund 1 Mrd. Euro einsammeln. Davon wären 300 Mio. Euro aus der Umwandlung einer Wandelanleihe gekommen, die der japanische Talanx-Partner Meiji Yasuda Life seit November 2010 hält. Andere Investoren hätten 700 Mio. Euro beisteuern sollen.

Ab dem 4. September hatten die Spezialisten der Banken Gespräche mit Anlegern geführt. Sie konzentrierten sich auf Investoren aus Deutschland und dem Londoner Markt. „Die Rückmeldungen der Investoren zur Unternehmensbewertung wichen deutlich von den der Talanx avisierten Einschätzungen der an der Transaktion beteiligten Banken über einen angemessenen Mindestwert der Aktien ab“, so Talanx – eine deutliche Kritik an den Banken.

Laut Investoren sprachen einige Faktoren gegen Talanx. Während der Gesprächsphase gab es Berichte über weitere Auslandspläne des Versicherers. Zudem sei die Konzernstruktur „gewöhnungsbedürftig“, sagte ein Anleger. „Der werthaltigste Teil der Talanx ist der Anteil von 50,1 Prozent an Hannover Rück, aber die Gesellschaft ist schon an der Börse, die kann man heute schon kaufen.“ Das Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland gilt dagegen als wenig attraktiv. Die Industrieversicherung und die Polen-Tochter werden positiv gesehen.

Talanx hatte bereits vor 15 Jahren erstmals Börsenpläne öffentlich gemacht. Aber schon seinerzeit hatte der damalige Chef Wolf-Dieter Baumgartl, der heute den Aufsichtsrat führt, klargemacht, dass er das Unternehmen auf keinen Fall verschleudern wolle. Bei der Entscheidung, das Parkettdebüt jetzt abzusagen, habe er eine entscheidende Rolle gespielt, hieß es in Konzernkreisen. An dem Plan für den Börsengang will Talanx aber festhalten. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, so ein Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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