Talanx will mal wieder an die Börse

Eine Woche nach der Absage seines Parkettdebüts verkauft der Versicherer abFreitag doch noch seine Aktien

Isabel Gomez Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln,

und Isabel Gomez, Frankfurt

Der Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx hat die Pläne für seinen erst vor sieben Tagen abgesagten Börsengang wiederbelebt. Ab Freitag werden Talanx-Aktien mit einer Spanne von 17,30 Euro bis 20,30 Euro angeboten. Erster Handelstag soll dann der 2. Oktober sein.

Talanx will jetzt nur noch 500 Mio. Euro bei Anlegern einsammeln – bis vergangene Woche sollten es noch 700 Mio. Euro sein. Dennoch bleibt es der größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr. Zudem wandelt Talanx eine Anleihe des japanischen Lebensversicherers Meiji Yasuda Life über 300 Mio. Euro in Aktien um.

Konzernchef Herbert Haas begründete die höchst ungewöhnliche Pirouette mit dem starken Zuspruch nach der Absage. „Wir haben zahlreiche ermutigende Rückmeldungen aus dem Kapitalmarkt erhalten“, sagte er.

Das Unternehmen gehört dem Versicherungsverein HDI VaG, der von der Industrie kontrolliert wird und auf jeden Fall die Mehrheit behalten will. Meiji hält künftig rund sechs Prozent, andere Aktionäre zehn Prozent.

Talanx will mit dem Geld Schulden zurückzahlen, die das Unternehmen für den Zukauf der polnischen Warta aufnahm, sowie in der Industrieversicherung mehr Risiken in den eigenen Büchern lassen, statt sie an Rückversicherer weiterzugeben.

Das Bankenkonsortium für den Börsengang blieb unverändert in der Zusammensetzung, Talanx änderte jedoch die Rangfolge. Globale Koordinatoren sind jetzt Berenberg und die Deutsche Bank, nicht mehr JP Morgan und die Citibank.

In Finanzkreisen wird das als Zeichen dafür gesehen, dass der Börsengang jetzt mehr deutsche Investoren anzieht. Berenberg hat einen guten Ruf als Verwalter großer Privatvermögen und arbeitet eng mit Family-Offices reicher Familien zusammen.

Vor allem internationale Anleger hatten sich im Vorfeld der letzten Runde skeptisch gezeigt. Auch bei Investoren hierzulande ist Talanx umstritten. „Das Hin und Her ist für mich ein Zeichen, dass man bei Talanx keine realen Vorstellungen hat, was das eigene Unternehmen wert ist“, sagte Thomas Mühlberger vom Vermögensverwalter Johannes Führ Asset Management der FTD.

Die Absage in der vergangenen Woche entsprang tiefer Verärgerung in der Talanx-Führung über die Bewertung des Unternehmens durch Anleger, das nach Ansicht von Konzernchef Haas und Aufsichtsratsvorsteher Wolf-Dieter Baumgartl den wahren Wert des Konzerns nicht widerspiegelte. Damals war von Angeboten über 4,2 Mrd. Euro die Rede.

Der Preis für die Aktien, den Talanx jetzt sucht, entspricht einer Bewertung des Gesamtkonzerns von 4,4 Mrd. Euro bis 5 Mrd. Euro. Das sind 63 Prozent bis 72 Prozent des Buchwerts von 6,9 Mrd. Euro. Versicherer wie Munich Re und die Allianz werden zu 80 Prozent bis 90 Prozent vom Buchwert gehandelt.

In einer Analogie zum Motorsport verglich der Konzernchef das Hin und Her bei dem problematischen Börsengang mit einem Boxenstopp. „Wir haben uns auf eine Rennstrecke begeben, die schon längere Zeit nicht mehr befahren wurde“, sagte er. „Jetzt sind wir sehr zuversichtlich, dass wir erfolgreich durchs Ziel kommen.“ Bei einem Börsengang sei nichts mehr so vorhersehbar wie früher. „Was wir alle in dem Prozess gelernt haben, ist, dass es in diesen Zeiten eben sehr schwer ist, Investorenverhalten und deren Risikoappetit nachhaltig vorausschauend einzuschätzen“, sagte Haas.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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