Versicherer und Industrie im Schlagabtausch

Anne-Christin Gröger Herbert Fromme

Empörung Deutsche Großkonzerne drohen damit, Risiken nicht mehr bei den Industrieversicherern abzudecken, sondern selbst zu tragen. Das machte Klaus Greimel deutlich, Versicherungschef des Energiekonzerns Eon und Vorsitzender des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS). „Die Risikolandschaft verändert sich ständig und nimmt immer neue Dimensionen an“, sagte er vor 600 Teilnehmern einer DVS-Fachkonferenz in München.

Damit steige auch die Anzahl der Risiken, die aus Sicht der Assekuranz nicht versicherbar seien. „Das stellt das ganze Modell des Risikotransfers infrage.“ Wenn ein Industriekonzern ohnehin zahlreiche Risiken in der eigenen Bilanz tragen müsse, könne er grundlegend infrage stellen, wie sinnvoll viele Versicherungen sind.

Der Versicherungsschutz für manche Gefahren erinnere ihn immer mehr an einen löchrigen Schweizer Käse. „Den würde der Kunde auch nicht mehr kaufen, wenn es mehr Löcher als Käse gibt.“ Konkret geht es um Forderungen der Industrie, Schäden aus Lieferkettenunterbrechungen und Cyberangriffen abdecken zu können.

Greimel appellierte auch an seine eigenen Kollegen. „Wir müssen für die Versicherer transparenter werden, wenn wir besseren Schutz haben wollen“, forderte er. Je detaillierter die Informationen seien, desto innovativer könnten neue Policen gestaltet werden.

Christian Hinsch, Chef der HDI-Gerling Industrieversicherung, zeigte Verständnis für die Probleme der Industrie, betonte aber, dass es umfassenden Schutz nicht pauschal, sondern nur als individuelle Deckung geben könne. „Wir brauchen mehr Transparenz von Seiten der Industrie“, forderte er.

HDI-Gerling biete schon 21 Industriekunden eine individuell kalkulierte Deckung für Betriebsunterbrechung ohne vorherigen Sachschaden an. Hinsch appellierte an die Kunden, auf langfristige Geschäftsbeziehungen zu setzen. Viele neue Anbieter kämen auf den deutschen Markt, gingen aber auch wieder – „die meisten mit hängendem Kopf, manche aber auch ganz ohne Kopf“. Anne-Christin Gröger, Herbert Fromme

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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