Für Ergos Vertreter ist der Spaß vorbei

Nach dem Sexskandal: Der Konzern ändert das Anreizsystem, gelobt Transparenzund feuert einen seiner Topmanager

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der wegen Lustreisen in die Enge geratene Versicherer Ergo geht in die Offensive. Der Konzern hat sich von einem seiner Topmanager getrennt und legt auf einer neuen Internetseite seit Sonntag alle geprüften Vorfälle offen.

Zugleich kündigte Konzernchef Torsten Oletzky weitere Änderungen im Anreizsystem für Vertriebsmitarbeiter an. Vertreterreisen sollen künftig nur noch in Europa und mit Ehe- oder Lebenspartner angeboten werden. Den Vertrieb baut Oletzky derzeit ohnehin im großen Stil um.

Nach der Welle peinlicher Veröffentlichungen über Sexpartys in Budapest, die Ergo im Zusammenhang mit Forderungen von Ex-Vermittlern nach Ausgleichszahlungen sieht, waren zuletzt wieder Berichte über Reisen nach Jamaika und Bordellbesuche in Palma de Mallorca aufgetaucht. Die sind seit 2011 zwar weitgehend bekannt; dennoch räumte Oletzky Fehler ein. „In der Kommunikation haben wir nicht immer eine gute Figur gemacht“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Rückhalt der Ergo-Mutter Munich Re spüre er aber weiterhin.

Gehen muss dagegen Ludger Griese, bislang im Vorstand der Konzerntochter Ergo Lebensversicherung zuständig für die Vertriebsorganisation Ergo Pro, die früher HMI hieß. Deren Vertreter stehen im Mittelpunkt der Sexskandale. In der Branche heißt es, der 48-Jährige, der seit 1990 für die Gruppe arbeitet, sei ein Opfer seiner zu großen Loyalität zu Mitarbeitern.

Konkret gezeigt habe sich das im Fall eines Vertreters, der mit anderen im Rahmen von Incentive-Reisen in einen Swingerklub auf Jamaika fuhr. Nachdem die Reisen im Zuge des Budapest-Skandals aufflogen, habe Griese dem Vertreter zugesagt, er müsse die von Ergo gezahlten Kosten über mehr als 25 000 Euro nicht erstatten. Die Ergo-Führung bestand aber darauf. Um sein Wort zu halten, soll Griese dem Vertreter die Hälfte davon privat gezahlt haben. Firmengelder habe er aber nicht verwendet.

Via Internet öffentlich einsehbar sind ab sofort sämtliche Revisionsberichte über Belohnungsreisen für Ergo-Vertreter und deren Fehlverhalten oder sonstige Auffälligkeiten. So will Ergo weiteren Veröffentlichungen über Skandale zuvorkommen.

Auf der Website finden sich auch Fälle kleineren Kalibers, etwa: „Sardinien 2012 – Besonders schwerwiegend ist aber, dass Sie unserer Mitarbeiterin Frau A. an das Gesäß gefasst haben!“ An anderer Stelle heißt es: „Wien 2008 – Es handelt es sich um einen Bewirtungsbeleg über Getränke der ,Cafe Fantasie-Bar` i. H. v. 151,50 Euro. Internetrecherchen hierzu ergaben, dass es sich bei dieser Lokalität eindeutig um ein Bordell handelt.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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