Allianz-Manager geht zu japanischem Rivalen

Der Versicherungskonzern muss die Leitung des hart umkämpften deutschenIndustriekundengeschäfts wieder neu besetzen

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Die Allianz verliert einen ihrer wichtigsten Manager in der Industrieversicherung. Nach FTD-Informationen verlässt Klaus Martin Przybyla, 53, im Januar die Konzerngesellschaft Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), die Unternehmen mit mehr als 500 Mio. Euro Umsatz versichert. Przybyla hatte erst im Januar 2012 die Leitung der deutschsprachigen Länder und Italien übernommen. Ein AGCS-Sprecher bestätigte den Abgang auf Anfrage.

Przybyla wird im Januar 2013 Vorstandsvorsitzender der neuen Aktiengesellschaft, die der japanische Versicherer Mitsui Sumitomo in Köln gegründet hat. In der MSIG Insurance Europe AG ist das Geschäft gebündelt, das bislang über Niederlassungen einer Londoner Tochter betrieben wurde.

Die Allianz hätte darauf pochen können, dass Przybyla seinen Vertrag bis Ende 2013 erfüllt – verzichtet aber darauf, weil Mitsui Sumitomo bislang kaum als Konkurrent in Erscheinung tritt und in vielen Konsortien für japanische Industriekonzerne mit der Allianz zusammenarbeitet.

Für die Münchener kommt der Abgang dennoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im deutschen Markt gibt es einen heftigen Wettbewerb um die Versicherungsverträge für große Konzerne. Die Sachversicherung – Feuer, Sturm, Betriebsunterbrechung, Maschinenschaden – ist besonders umkämpft. Die AGCS hat bei VW, Salzgitter und anderen Konzernen die Führungsmandate für Konsortien aufgegeben oder verloren, weil sie die Preise in einem ohnehin defizitären Markt nicht weiter senken wollte. Den VW-Vertrag gewann der Schweizer Versicherer Zurich.

In einer solchen Lage sind Kontinuität und gute Betreuung der anspruchsvollen Konzernkunden besonders wichtig. Przybyla hatte vor weniger als einem Jahr Wolfgang Faden ersetzt, der in den Ruhestand ging. Deshalb muss AGCS-Chef Axel Theis jetzt schnell einen Nachfolger finden. Vorübergehend soll der zuständige AGCS-Vorstand Andreas Berger ab Januar den Job zusätzlich übernehmen. Möglicherweise kommt der Nachfolger aus dem eigenen Haus, hieß es im Unternehmen.

Zu den wichtigsten Anbietern im Industriekundengeschäft zählen neben AGCS vor allem HDI-Gerling, Zurich, Chartis/AIG und Axa. Zahlreiche kleinere Gesellschaften sowie einige Rückversicherer beteiligen sich an Versicherungskonsortien für deutsche Industriekonzerne, können aber nicht das Führungsmandat übernehmen. Das gilt bisher auch für Mitsui Sumitomo.

Der gelernte Versicherungskaufmann Przybyla war von 1979 bis 2006 beim Kölner Gerling-Konzern, der damals gerade vom Konkurrenten Talanx/HDI übernommen wurde. Daraufhin wechselte eine Gruppe von Experten 2007 zum bis dahin als Erzrivalen geltenden Allianz-Konzern.

Przybyla wird bei Mitsui Sumitomo ein Unternehmen führen, das rund 100 Mio. Euro Prämieneinnahmen haben dürfte – während die AGCS allein in Deutschland auf mehr als 1 Mrd. Euro kommt. Allerdings wird er bei MSIG Unternehmenschef in Köln, wo auch seine Familie wohnt. Bei der AGCS in München war seine Position zwar mit dem angloamerikanischen CEO-Titel beschrieben, er arbeitete aber eine Ebene unter dem Vorstand. Deutschland-Chef bei Mitsui Sumitomo ist bislang Reiner Gleiss, ebenfalls ein altes Gerling-Gewächs. Er geht mit 63 in den Ruhestand.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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