Allianz wird mutiger trotz „Sandy“

Der Versicherer strebt für das Gesamtjahr ein operatives Ergebnis von mehrals 9 Mrd. Euro an

Friederike Krieger

Friederike Krieger , Köln

Dank geringerer Abschreibungen hat die Allianz in den ersten neun Monaten des Jahres gut verdient. Die Folge: Der DAX-Konzern schraubt seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben. Statt 7,7 Mrd. bis 8,7 Mrd. Euro peilt der Versicherer nun ein operatives Ergebnis von mehr als 9 Mrd. Euro an. Schadenbelastungen durch Hurrikan „Sandy“ in den USA seien dabei schon einkalkuliert.

Konkrete Angaben zu Schäden wollte der Versicherer aber nicht machen. „Sandy hat nicht nur Sturm-, sondern auch Flutschäden verursacht. Das hat auch Auswirkungen auf den Firmenkundenbereich in Form von Betriebsunterbrechungen“, sagte Allianz-Vorstand Oliver Bäte. „Es wird einige Zeit dauern, bis wir wissen, wie hoch die Schäden sind.“ Die zu erwartenden Belastungen seien durch Rückversicherungsschutz begrenzt.

Nach Steuern verdiente der Versicherer in den ersten neun Monaten des Jahres 4,2 Mrd. Euro – das sind 87,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das hat auch damit zu tun, dass wir im dritten Quartal 2011 erhebliche Einschläge aus der Staatsschuldenkrise und Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen zu verkraften hatten“, sagte Bäte weiter.

Damals hatte die Allianz Wertberichtigungen in Höhe von 931 Mio. Euro vor allem auf Aktien und festverzinsliche Wertpapiere vorgenommen, im abgelaufenen Quartal waren es dagegen nur 56 Mio. Euro.

Die Beitragseinnahmen in der Lebens- und Krankenversicherung gingen in den ersten neun Monaten dieses Jahres leicht von 39,1 Mrd. auf 38,5 Mrd. Euro zurück. In Deutschland sanken die Lebensversicherungsprämien wegen Rückgängen bei Versicherungen gegen Einmalbeitrag von 11 Mrd. auf 10,6 Mrd. Euro.

„Wir haben auf niedrigmargige Produkte bewusst verzichtet, wachsen in den traditionellen Bereichen aber gut“, sagte Bäte. Die Allianz sei in der Lebensversicherung wie viele andere Gesellschaften auch sehr solide aufgestellt, aber es gebe auch Versicherer, bei denen das nicht der Fall sei. „Es ist wichtig, dass in diesen Häusern Maßnahmen ergriffen werden“, sagte Bäte. „Die Zahlung der Garantien sicherzustellen ist wichtiger als eine hohe Überschussbeteiligung.“

Die Prämieneinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung legten in den ersten neun Monaten von 35,3 Mrd. auf 36,9 Mrd. Euro zu. Das operative Ergebnis im Bereich Asset-Management kletterte von 1,6 Mrd. auf 2,1 Mrd. Euro.

Vor allem im dritten Quartal seien die Erträge überproportional gestiegen, sagte Bäte. „Dieses positive Ergebnis spiegelt den anhaltenden Erfolg von Pimco wieder“, sagte er.

Die Kapitalanlagegesellschaft wachse nicht nur im US-Markt stark, sondern auch weltweit. Zudem habe die Allianz italienische Staatsanleihen mit hohen Gewinnen verkauft.

Die Aktienquote des Versicherers beträgt momentan 4,8 Prozent. „Wir würden sie gern ausbauen, müssen aber aus Rating- und Solvabilitätsgründen auf unsere Kapitalposition achten“, sagte Bäte. Nach den neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II müssen Versicherer sehr viel Eigenkapital vorhalten, wenn sie in Aktien investieren. „Wir suchen nach anderen Assets, die eine ähnlich gute Rendite bei geringerer Kapitalausstattung bieten“, sagte Bäte. Dazu gehörten etwa internationale Unternehmensanleihen und Infrastrukturprojekte.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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