Britischer Versicherer Aviva vor Verkauf der US-Tochter

Die Firma will dringend benötigtes Kapital freisetzen

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der britische Versicherer Aviva plant den Verkauf seiner US-Tochter und hat exklusive Verhandlungen mit Guggenheim Life aufgenommen. Unternehmenskreise bestätigten einen entsprechenden Bericht des „Daily Telegraph“. Der mögliche Verkaufspreis wird auf 800 Mio. bis 850 Mio. Pfund (1,1 Mrd. Euro) geschätzt. Aviva hatte das Unternehmen 2006 für 1,8 Mrd. Pfund gekauft und seither schon mehrere Abschreibungen vornehmen müssen. Beim Verkauf kommt ein weiterer Verlust hinzu.

Doch Aviva muss dringend Kapital freisetzen. Die US-Tochter verkauft vor allem Renten- und Lebensversicherungen auf Indexbasis, für die zumindest Werterhaltgarantien gelten, oft auch Mindestverzinsungen. Entsprechend hoch ist der Kapitalbedarf. Gelingt der Verkauf, würde Aviva 2 Mrd. Pfund weniger Kapital benötigen. Die US-Investmentfirma Guggenheim Partners, zu der Guggenheim Life gehört, hatte sich vergeblich um einen Kauf der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank bemüht.

Aviva ist seit dem Frühjahr dabei, seine Kapitalausstattung zu verbessern. Über die Frage, ob der Versicherer ausreichend kapitalisiert war, gab es Krach zwischen dem früheren Konzernchef Andrew Moss und anderen Vorstandsmitgliedern. Auch die britische Finanzaufsicht Financial Services Authority zeigte sich besorgt.

Moss musste Aviva im Mai 2012 verlassen, nachdem etliche Aktionäre das für ihn vorgesehene hohe Gehalt abgelehnt hatten. Die Unruhe über Ergebnisse und Kapitalbasis von Aviva spielte ebenfalls eine Rolle. Nachfolger soll nach Informationen der Financial Times Mark Wilson werden, bis zum Jahr 2010 Chef des asiatischen Lebensversicherers AIA.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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