Erst prüfen, dann vergleichen

Vor Nutzung eines Vergleichsportals für Kfz-Versicherungen sollten Autofahrerdie Tarifanzahl unter die Lupe nehmen

Friederike Krieger

Friederike Krieger

Autofahrer, die mithilfe eines Onlinevergleichsportals eine günstigere Kfz-Versicherung finden wollen, sollten sich den Anbieter zuvor genau anschauen. Denn Portal ist nicht gleich Portal. „Oft sind nur 25 Tarife enthalten“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Das ist sehr wenig und liefert keinen Marktüberblick.“ Es gebe im Markt rund 100 Autoversicherer, die zum Teil vier bis fünf unterschiedliche Tarife anbieten.

Zudem tummelten sich auch einige schwarze Schafe im Markt der Vergleichsportale, die eingegebene Daten dazu nutzten, Kunden mit Werbung zu anderen Themen zu bombardieren. „Wenn der Anbieter Dinge abfragt, die nichts mit der Kfz-Police zu tun haben, sollte das zu denken geben“, sagt Verbraucherschützerin Weidenbach.

Derzeit geht die Wechselsaison bei Kfz-Versicherungen in ihre Endphase. Bis Ende November können Autofahrer ihre Verträge kündigen und eine neue Police abschließen, sofern ihre Versicherung den 1. Januar als Hauptfälligkeit vorsieht. Entsprechend intensiv buhlen Kfz-Versicherer und auch Vergleichsportale um Neukunden.

Vergleichen lohnt sich: Nach aktuellen Berechnungen von Stiftung Warentest kann beispielsweise bei einem Paket aus Haftpflicht- und Teilkaskoversicherung die Differenz zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot für eine junge Fahranfängerin bis zu 2400 Euro betragen. Eine maximale Ersparnis können Kunden allerdings nur erzielen, wenn der Onlinerechner einen möglichst großen Marktüberblick bietet.

Das Problem: Nicht alle Anbieter sind auf allen Portalen präsent. So sind beim Marktführer Check24 die HUK-Coburg und ihr Direktanbieter HUK24 nicht vertreten. Bei der Nummer zwei im Markt, dem Portal Transparo, fehlt dagegen die Allianz. HUK-Coburg und Allianz sind immerhin die größten Kfz-Versicherer in Deutschland.

Vollständiger ist dagegen das Portal Nafi-Auto des Datendienstleisters Nafi. Es bietet einen Überblick über 280 Tarife von mehr als 70 Versicherern – nach Angaben des Unternehmens die größte Auswahl im Markt. Nafi entwickelt Software zur Kfz-Versicherungskalkulation und erstellt Marktbeobachtungen. „Alle Autoversicherer zählen zu unseren Kunden, sodass wir auch alle Tarife haben“, sagt Geschäftsführerin Ivana Höltring, Vorstand der Firma Nafi@net, die das Portal betreibt.

Der Nachteil: Nafi-Auto bietet dem Kunden zwar einen Preisvergleich, er kann aber nicht direkt abschließen. Dazu muss er die Homepage des Versicherers aufsuchen und seine Daten ein weiteres Mal eingeben. Andere Portale wie Check24, Transparo, Autoversicherung.de, Geld.de oder Ino24.de leben dagegen von der Vermittlung der Verträge an die Versicherer. Dafür erhalten sie Provisionen, die von 45 bis 100 Euro reichen können. Die zahlt der Kunde – sieht sie aber nicht, da sie von seinen Prämien abgezogen werden. Andere Vergleichsportale lassen sich direkt vom Kunden bezahlen. So verlangt Stiftung Warentest 16 Euro für die Nutzung ihres Vergleichsrechners auf Test.de. Dagegen ist der Nafi-Rechner kostenlos. „Wir verdienen damit kein Geld, es kostet uns aber auch nichts, weil wir die Informationen ohnehin haben“, sagt Höltring.

Die Portalbetreiber rechnen in diesem Jahr mit glänzenden Geschäften, weil viele Versicherer die Prämien erhöhen. Die Anbieter wollen zum einen nach Jahren des Preiskampfes die Profitabilität der Sparte wieder erhöhen. Zum anderen könnten aber auch die neuen Rabattstaffeln der Versicherer die Prämien verteuern. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hatte vorgeschlagen, die Zahl der Schadenfreiheitsklassen von 25 auf 35 zu erhöhen – was einige Gesellschaften auch schon umgesetzt haben.

Auf den ersten Blick scheint die neue Situation vorteilhaft. Wer lange unfallfrei gefahren ist und in der höchsten Schadenfreiheitsklasse ist, muss bisher nur noch 30 Prozent des Grundbetrags zahlen. Nach dem neuen Modell sind es 20 bis 25 Prozent. Weil aber der Grundbetrag um etwa ein Drittel ansteigt, fahren Kunden dadurch nicht unbedingt billiger, sondern müssen teilweise draufzahlen. „Es lohnt sich daher in diesem Jahr besonders, die Tarife zu vergleichen“, sagt Albert Gottelt vom 1A Verbraucherportal.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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