Rumänische Flagge lockt deutsche Reeder

Der osteuropäische Staat baut ein internationales Schiffsregister auf, dasmit den Vorteilen der EU-Mitgliedschaft wirbt. Die Führung übernimmt einDeutscher

Patrick Hagen

Patrick Hagen , Köln

Deutsche Reeder können ihre Schiffe künftig preisgünstig unter der Flagge Rumäniens fahren lassen. Der osteuropäische Staat baut ein internationales Schiffsregister auf, das von dem neu gegründeten Privatunternehmen Romanian International Flag Administration (Rifa) unter deutscher Führung geleitet wird. Zielgruppe sind vor allem deutsche Reeder, die eine Alternative zur als teuer und unflexibel geltenden deutschen Flagge suchen. „Wir haben über 300 Zusagen und erwarten, innerhalb weniger Jahre auf über 1000 Schiffe zu wachsen“, sagte Albrecht Gundermann, Geschäftsführer und Gesellschafter der Rifa, der FTD.

Die Reeder leiden zurzeit stark unter der Krise auf den Schifffahrtsmärkten. Die Charterraten sind im Dauertief, dazu kommt steigender Druck der Banken, die Kreditausfälle fürchten. Den Schiffseignern sind daher alle Möglichkeiten, Kosten zu sparen, hochwillkommen. Schon jetzt suchen sie Wege, um der teuren deutschen Flagge auszuweichen: Nur rund 480 der 3800 deutschen Frachter fahren unter Schwarz-Rot-Gold. Der Rest trägt die Farben von Liberia, Antigua und Barbuda oder den Marshallinseln. Das spare zwischen 250 000 und 300 000 Euro pro Jahr, sagen die Reeder. Neben Kostenvorteilen bieten die oft als Billigflaggen verschrienen Register häufig auch besseren Service und weniger Bürokratie.

Die Rifa will nicht nur der deutschen Flagge Konkurrenz machen, sondern auch Ländern wie Liberia Reederkunden abjagen. Dabei bietet die neue Flagge einen gewichtigen Vorteil. „Wir sind eine EU-Flagge und erfüllen damit die Grundvoraussetzung der EU-Beihilferichtlinien zum Erhalt der deutschen Tonnagesteuer und wir werden stark auf Qualität achten“, sagte Gundermann. Die Tonnagesteuer garantiert Schifffahrtsunternehmen steuergünstige Einnahmen, da der Gewinn pauschal nach der Größe der Schiffe ermittelt wird.

Damit die EU diese Unterstützung genehmigt, verlangt sie jedoch, dass Reeder 60 Prozent der Schiffe eines Landes unter der Flagge eines EU-Mitgliedsstaats fahren lassen. In Deutschland erfüllen allerdings weniger als 40 Prozent der Schiffe diese Vorgabe. Sollte sich das nicht bald ändern, könnte in Brüssel die Tonnagesteuer überprüft werden, befürchten Reedervertreter.

Von dieser Gemengelage will nun die Rifa profitieren. Gundermann gilt in der Branche als gut verdrahtet und hat Erfahrungen mit dem Management eines Schiffsregisters. So leitete er beispielsweise früher die deutsche Niederlassung des liberianischen Schiffsregisters, das von dem Privatunternehmen LISCR mit Sitz in den USA geleitet wird. Die Rifa zielt zwar vorerst vor allem auf deutsche Reeder, will sich aber dauerhaft nicht auf die hiesige Branche beschränken. „Wir haben den ausdrücklichen Wunsch, auch in allen anderen Schifffahrtszentren aktiv zu sein“, sagte Gundermann.

Das Unternehmen ist zurzeit noch in der Vorbereitungsphase, soll aber im ersten Quartal nächsten Jahres operativ starten. Es hat seinen Sitz in Zypern, darüber hinaus gibt es zwei Büros in Hamburg und Bukarest. Als Geldgeber hat Gundermann zwei Münchner Privatinvestoren gewonnen, die aber im Hintergrund bleiben wollen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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