Assekuranz versinkt im Zinstief

Die niedrigen Zinsen machen Lebensversicherungen zunehmend unattraktiv. Am Dienstag gab die Munich-Re-Tochter Ergo bekannt, dass sie 2013 ihren Kunden nur noch 3,2 Prozent an laufender Verzinsung auf das Sparkapital gutschreibt. Das sind satte 0,6 Prozentpunkte weniger als 2012. Hinzu kommen bei Verträgen, die bis zum Ende gehalten werden, später 0,35 Prozent Schlussüberschuss und Bewertungsreserven. Kunden der Ergo-Schwester Victoria, die für das Neugeschäft stillgelegt ist, erhalten gar nur drei Prozent laufende Verzinsung. Wer aus früheren Jahren eine Garantieverzinsung von 3,5 Prozent oder vier Prozent im Vertrag hat, bekommt aber weiter diesen Satz.
Mit den Senkungen wird es für die Unternehmen noch schwerer, Lebensversicherungen zu verkaufen. Bislang gehörten diese in Deutschland zu den begehrtesten Anlagen überhaupt. Für 2012 rechnet die Branche trotz eines Rückgangs noch mit 5,6 Millionen neuen Verträgen. Die Finanzkrise und der Vertrauensverlust der Branche in der Öffentlichkeit sorgen aber dafür, dass sich immer weniger Kunden langfristig binden wollen. Dazu kommt die Niedrigzinsphase, deren Ende laut Ergo „nicht absehbar“ ist. Versicherer tun sich daher schwer, die versprochenen Renditen einzufahren.
Ausgerechnet gestern wurde zudem bekannt, dass die Branche um eine lange geforderte und bereits beschlossene Erleichterung wieder bangen muss. Koalitionskreise bestätigten einen entsprechenden Bericht der „Stuttgarter Zeitung“. Die Regierung prüft derzeit, eine Obergrenze für Verluste einzuziehen, die Kunden durch eine kürzliche Gesetzesänderung zu Bewertungsreserven erleiden könnten. Diese Reserve ist die Differenz zwischen dem Marktwert einer Kapitalanlage und dem Buchwert.
Am 8. November hatte der Bundestag beschlossen, dass Kunden nicht mehr wie bislang beim Ausscheiden die Hälfte der mit ihrem Geld erwirtschafteten Bewertungsreserven ausgezahlt bekommen. Die Änderung soll am 21. Dezember in Kraft treten. Sie kann bei Kunden, deren Verträge bald zur Auszahlung kommen, erhebliche Verluste auslösen. Jetzt will das Finanzministerium prüfen, ob diese Verluste begrenzt werden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv