Entscheidung zur Provinzial kommt rasch

Eigner wollen Allianz-Gebot bis Weihnachten beantworten

Meike Schreiber Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln,

und Meike Schreiber, Frankfurt

Die Eigner des Sparkassenversicherers Provinzial Nordwest wollen nach FTD-Informationen noch vor Weihnachten entscheiden, ob sie die Gesellschaft verkaufen. Die Allianz hat für den regional arbeitenden Versicherer ein Angebot gemacht. Am Dienstag bestätigten die Besitzer erstmals in einer dürren Erklärung, dass ein Verkauf überhaupt erwogen wird. „Die Eigentümer wollen sehr zeitnah entscheiden, ob ein Verkauf überhaupt und wenn ja, zu welchen Bedingungen infrage kommt“, hieß es.

Der Sparkassenverband aus Westfalen-Lippe sowie der kommunale Landschaftsverband halten je 40 Prozent an der Provinzial Nordwest, die Sparkassen in Schleswig-Holstein 18 Prozent, der Ostdeutsche Sparkassenverband zwei Prozent. Die Allianz könnte durch die Übernahme der erfolgreichen Gesellschaft verlorene Marktanteile im Heimatmarkt zurückerobern und einen Keil in das Sparkassenlager treiben.

Die Landesregierung in Kiel hat heftigen Widerstand gegen einen Verkauf angekündigt, die Gewerkschaft Verdi will Protestaktionen starten. Betrieben wird der Verkauf vor allem vom westfälischen Sparkassenpräsidenten Rolf Gerlach, der wegen der ungewissen Zukunft der Lebensversicherung mögliche Probleme auf die Sparkassen zukommen sieht.

Dazu kommt, dass die Sparkassen weiter unter ihren Beteiligungen leiden und zumindest schwachbrüstige Institute wie die in Schleswig-Holstein einen Ausgleich gebrauchen könnten. So droht ihnen auch in diesem Jahr eine Abschreibung auf die teuer erworbene Landesbank Berlin. Nach FTD-Informationen belastet die Bank unter anderem eine neue Bewertungsempfehlung des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Dabei geht es um eine Größenordnung von 500 Mio. Euro. Laut Insidern könnte diese Belastung zumindest teilweise durch positive Faktoren ausgeglichen werden, sodass der Abschreibungsbedarf niedriger ausfallen dürfte. Ob überhaupt wertberichtigt werden muss, werden die Wirtschaftsprüfer noch im Dezember ermitteln. Die Korrektur wird bei den betroffenen Sparkassen in diesem Jahr bilanzwirksam.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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