Versicherer Arag strebt nach Skandinavien und Frankreich

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Arag will weiter international wachsen. Im Heimatmarkt sucht dass Unternehmen die Nähe zu Gewerbekunden und will früher gewährte Deckungen wieder anbieten – zum Beispiel bei Streit um Kapitalanlagen und bei Studienplatzklagen.

Die Marktzahlen, die Arag-Eigner Paul-Otto Faßbender vorträgt, sind deprimierend: „Die 50 in Deutschland aktiven Rechtsschutzversicherer haben im Jahr 2012 gerade mal 100.000 echte Neukunden gewonnen“, sagt er vor Journalisten. „Das macht pro Unternehmen rein rechnerisch 2000 Kunden, die vorher noch nicht rechtsschutzversichert waren.“

Faßbenders Schlussfolgerung: Der deutsche Rechtsschutzmarkt sei weitgehend ausgereizt. „Als Unternehmen bin ich davon überzeugt, dass attraktive Märkte anders aussehen.“ Deshalb sei es konsequent für die Arag, sich dem teuren Wettbewerb in Deutschland zu entziehen. Ihr Marktanteil sinkt weiter, von 8,6 Prozent des deutschen Rechtsschutzgeschäfts im Jahr 2011 auf 8,3 Prozent 2012.

Aufgeben will Faßbender aber nicht. Punkten soll die Arag mit der neuen Webaktiv-Police. Sie deckt Kosten von Rechtsstreitigkeiten, die durch das Surfen im Internet ausgelöst werden können. Angebliche Urheberrechtsverletzungen, Abofallen, Online-Shopping gehören zum Deckungsumfang. Ab 2013 bietet Arag ähnliche Policen auch für Gewerbekunden.

„Ab Januar sind wir mit einer Prämien-Linie im Markt“, sagt Vorstand Matthias Maslaton. Dann sind auch Streitigkeiten aus Kapitalanlagen und Studienplatzklagen wieder gedeckt. „Aus diesen Themen hat sich der Markt zurückgezogen.“ Für Gewerbekunden bietet die Gesellschaft neue Deckungen zu Wettbewerbsrecht und Forderungsmanagement, sagt Maslaton.

Doch definiere sich die Arag schon lange nicht mehr über die 18 Prozent des Konzernumsatzes, die sie mit der Rechtsschutzversicherung in Deutschland erziele, sagte Faßbender. Für ihn sind die internationale Diversifizierung und der Ausbau der Lebens- und Krankenversicherung – mit fondsgebundenen Policen und Zusatzversicherungen – der Schlüssel zum Erfolg.

Inzwischen stammen 32 Prozent des Umsatzes aus dem Ausland. In 15 Märkten ist die Arag aktiv, Spanien, Italien, die USA gehören zu den größten Umsatzbringern. Die Arag hat für die internationale Aufstellung die Struktur geändert – statt einer deutschen Mutter mit vielen Töchtern wird der Konzern jetzt von einer Europa-AG, der Societas Europaea, geleitet. Sechs Töchter in EU-Ländern wurden mit der Arag SE verschmolzen und agieren jetzt als Niederlassungen. Das spart Eigenkapital und Verwaltungsaufwand.

Jetzt will Faßbender weiter expandieren. Skandinavien und Frankreich stehen oben auf seiner Wunschliste. Dabei sucht das Unternehmen immer die Partnerschaft mit örtlichen Anbietern. Wie das geht, erklärt Italien-Chef Andrea Andreta. „Wir haben ein direktes Netz mit 1100 Mehrfachagenten und Maklern. Dazu kommen Vereinbarungen mit 25 Versicherern mit zusammen 9000 Vermittlern.“ Bei denen agiert die Arag als Rechtsschutz-Rückversicherer und übernimmt mehr als 90 Prozent der Risiken, bildet Vermittler aus und hilft bei Risikobewertung und Schadenabwicklung. Dazu kommen Verträge mit zwei Banken.

Faßbender, Eigner des letzten deutschen Versicherers im Familienbesitz, sieht 2012 als „ausgesprochen gutes Geschäftsjahr“. Die Beiträge steigen um 2,6 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro, davon stammen 719 Mio. Euro aus dem deutschen und internationalen Rechtsschutz. Der Gewinn soll über 60 Mio. Euro betragen, 2011 waren es 50 Mio. Euro.

Quelle: Capital.de


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