Allianz-Führung unter Druck

Die überraschende Schließung der Allianz Bank führte zu einem Proteststurm bei Allianz-Mitarbeitern. Vorstandsmitglied Andree Moschner musste in einer Stellungnahme an alle Mitarbeiter den Schritt verteidigen.

Die Schließung der Allianz-Bank durch den Versicherungskonzern hat mehr als 120 Reaktionen im internen Diskussionsforum des Unternehmens ausgelöst – die allermeisten davon negativ. „Wir sind doch keine Schachfiguren in einem Spiel, das im Management begonnen und nicht ordentlich zu Ende gespielt wird“, beklagt ein Mitarbeiter. „Da kam einer 2009 auf die Idee, Allianz Bank zu spielen, und 2013 hat er keine Lust mehr.“

Ein Jahr lang sei auf Plakaten der „begeisterte Kunde“ der Allianz-Bank als eine der Säulen der Allianz dargestellt worden, moniert ein anderer Allianzer.  „Kaum sind die Plakate weitgehend verschwunden, wird schon kräftig daran gearbeitet, die Kunden zu begeistern, indem man ihnen eine Teil unserer ‚erstklassigen Produkte‘ wieder wegnimmt.“ Und weiter: „Vielleicht waren sie ja doch nicht so erstklassig?“ Insgesamt könne man zu dieser gelungenen Imagepflege nur gratulieren.

Die Allianz hatte am 24. Januar bekannt gegeben, die 2009 als Niederlassung der Konzerntochter Oldenburgische Landesbank gegründete Allianz Bank bis Ende Juni stillzulegen. Rund 450 Arbeitsplätze fallen weg, die 45 Bankfilialen in Allianz-Agenturen werden geschlossen.

Zweck der Gründung war, Kunden der Allianz-Vertreter auch Bankprodukte anzubieten – der letzte Überrest des einst hochgelobten Allfinanzkonzepts. Allerdings fuhr der Konzern mit der Bank 400 Mio. Euro Nettoverlust ein. Viele Allianzer kritisierten die angebotenen Produkte als wenig wettbewerbsfähig. Ein anderer Grund: Nach Angaben des Unternehmens verkauften weniger als 20 Prozent der Allianz-Vertreter in Deutschland aktiv die Palette der Bankprodukte. Jetzt zog Deutschlandchef Markus Rieß die Reißleine.

Vorstand Andree Moschner, der auch Chef der Vertriebsgesellschaft und Aufsichtsratsvorsitzender der Oldenburgischen Landesbank ist,  musste nach den heftigen Protesten im Intranet des Konzerns Stellung nehmen. „Da die Allianz Bank seit Jahren rote Zahlen schreibt, was sich in absehbarer Zeit leider auch nicht geändert hätte, ging kein Weg an der Beendigung der Geschäftstätigkeit vorbei“, erläutert Moschner. Die Entscheidung sei Vorstand und Aufsichtsrat „wirklich nicht leicht gefallen“. Als Gründe nennt Moschner die anhaltende Finanzkrise, das schwierige Kapitalmarktumfeld und die historisch niedrigen Zinsen – sowie „die Erkenntnis, dass das Bankgeschäft leider nicht in der Breite der Vertreterschaft zu etablieren war“. Eine Trendwende sei nicht in Sicht gewesen.

Betriebsbedingte Kündigungen könne er nicht ausschließen, schreibt Moschner weiter. Allerdings will das Unternehmen „einvernehmliche und sozialverträgliche Lösungen“ unter Nutzung des internen Stellenmarktes finden.

Quelle: Capital.de


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