Rüther bleibt im Amt

Die Provinzial Nordwest in Münster hält an Konzernchef Ulrich Rüther fest. Das bestätigte der Aufsichtsrat am Montag. Rüther soll die Verhandlungen über die Fusion mit der Provinzial Rheinland in Düsseldorf vorantreiben.

Die bizarre Affäre um Provinzialchef Ulrich Rüther hat vorerst keine weiteren Folgen. Rüther bleibt im Amt.  Der Aufsichtsrat der Provinzial Nordwest in Münster bestätigte am Montag ausdrücklich die weitere Zusammenarbeit mit dem 44-jährigen Manager. „Das ist das Ergebnis der Gespräche und Beratungen der vergangenen Wochen“, ließ Aufsichtsratschef Rolf Gerlach mitteilen. Gerlach ist Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, der 40 Prozent an dem Versicherer hält. Der kommunale Landschaftsverband kontrolliert weitere 40 Prozent, die Sparkassen in Schleswig-Holstein 18 Prozent und die in Ostdeutschland 2 Prozent.

Rüther hatte vor drei Wochen einen Überfall eines Unbekannten auf ihn gemeldet, bei der er mit einem Stromprüfer in der Brust verletzt worden sei. Einige Tage später musste er einräumen, dass der Zwischenfall sich so nicht zugetragen habe. Die Staatsanwaltschaft teilte daraufhin mit, Rüther habe sich die Verletzungen selbst zugefügt. Branchenkreise verweisen auf die Möglichkeit, dass Rüther eine andere Person schützen will, die ihm die Verletzungen zugefügt haben könnte.

Der Aufsichtsrat sicherte sich ab.  „Zwei Gutachten bestätigen, dass die Gesundheit des Vorstandsvorsitzenden voll hergestellt ist“, hieß es. Und: „Die Mitglieder des Aufsichtsrates zeigten sich erfreut, dass Rüther gesund ist.“

Rüther muss sich allerdings wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten. Dafür dürfte er von der Staatsanwaltschaft mit einer Geldbuße belegt werden.

Er galt als einer der kommenden Männer in der deutschen Versicherungswirtschaft. Der Ruf ist jetzt deutlich angeschlagen. Die Frage ist auch, ob er auch künftig seine Position gegen den machtbewussten Gerlach an der Aufsichtsratsspitze behaupten kann.

Gerlach hatte den Verkauf der Gruppe an die Allianz vorangetrieben. Europas größter Versicherer hatte zuletzt 2,6 Mrd. Euro für die Provinzial Nordwest geboten – mit der Übernahme hätte er das Lager der öffentlichen Versicherer, die den Sparkassen nahestehen, nachhaltig geschwächt.

Nach Bekanntwerden der Gespräche zwischen Allianz-Chef Michael Diekmann und den Provinzial-Eignern Gerlach und Wolfgang Kirsch, dem Vorsitzenden des Landschaftsverbandes, hatten Politiker in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Druck gemacht. Das sind die wichtigsten Geschäftsgebiete der Provinzial Nordwest, die außerdem in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern tätig ist. Als Antwort auf den Allianz-Vorstoß finden jetzt nach Intervention der Politik Fusionsgespräche der beiden Provinzial-Gruppen in Düsseldorf und Münster statt. Allerdings gab es solche Verhandlungen auch schon in der Vergangenheit. Sie scheiterten regelmäßig an Uneinigkeit über Bewertungen und den Hauptsitz der neuen Gesellschaft.

Quelle: Capital.de


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