Munich Re will offshore investieren

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re prüft Investitionen in Windparks vor der Küste. Wie andere Versicherer sucht er dringend Alternativen zu Staatsanleihen und anderen Niedrigzinspapieren. Noch ist das Engagement überschaubar – und könnte von politischen Entscheidungen zur Energiewende negativ getroffen werden.

Munich Re prüft den Erwerb eines Anteils an einem Offshore-Windpark, wenn er fertig errichtet und an das Stromnetz angeschlossen ist. Das erklärte Robert Pottmann, Leiter des Bereichs erneuerbare Energien bei der Munich Re-Anlagetochter Meag, in einem Interview mit der Agentur Bloomberg.

Munich Re plant, insgesamt 2,5 Mrd. Euro in erneuerbare Energien zu investieren, außerdem 1,5 Mrd. Euro in Gasnetze und andere Infrastrukturprojekte.  Insgesamt verwaltet der Versicherungsriese 225 Mrd. Euro an Kapitalanlagen.

Vor Offshore-Anlagen war Munich Re bislang zurückgeschreckt – zu groß und unbekannt sind die Risiken. Doch jetzt tastet sich der Konzern auch an diese Projekte heran. „Wir investieren dort nur, wenn die Projekte komplett errichtet und angeschlossen sind“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen fürchtet die besonderen Risiken in der Errichtungsphase. Das Prinzip, nur Beteiligungen an fertigen Anlagen zu übernehmen, gilt auch für alternative Energiequellen an Land. Im Dezember hatte Munich Re zusammen mit General Electric und Électricité de France Windparks in Frankreich im Wert von 350 Mio. Euro übernommen.

Die Allianz hält sich bei den Kapitalanlagen in Windturbinen auf offener See weiter zurück. „Wir halten das Risiko für zu groß, um dort Kundengelder anzulegen“, sagte eine Sprecherin. Allerdings versichere das Unternehmen – ebenso wie Munich Re – solche Offshore-Windparks. Die Allianz hat zurzeit 1,3 Mrd. Euro in der alternativen Energiegewinnung investiert, dazu 1 Mrd. Euro in Infrastrukturprojekten. Insgesamt verwaltet der Konzern 500 Mrd. Euro Versicherungsgelder.

Der Vorstoß der Munich Re in Richtung Offshore-Investments hat gute Gründe. Das Unternehmen leidet wie die gesamte Assekuranz an den niedrigen Zinsen für Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere. Aktien scheut die Assekuranz wegen der Volatilität, ungesicherte Schuldverschreibungen der Banken sind aus Risikogründen inzwischen tabu.

Anlagen in Infrastruktur und Energie sind eigentlich ideal für die Versicherer. Weil sie lang laufende Verpflichtungen bei Lebens- und Krankenversicherungskunden haben, suchen sie stetige Einkommensströme und keine dramatischen Wertsteigerungen. Darin unterscheiden sie sich von Hedgefonds.

Gift sind für solche Investitionsentscheidungen allerdings nachträgliche Änderungen der politischen Rahmenbedingungen. Umweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben am Donnerstag in einem Positionspapier vorgeschlagen, zur Strompreisbegrenzung auch die Förderung bestehender Wind- und Solaranlagen zu kappen. „Unsere Investitionsentscheidungen beruhen auf der Berechenbarkeit der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, sagte ein Munich Re-Sprecher. Die Kapitalanleger der großen Versicherer waren empört, als Spanien die Bedingungen für die Solarstrom-Einspeisung 2010 rückwirkend änderte. Ähnlicher Widerstand könnte auch Berlin blühen, wenn die Regierung die Altmaier- und Rösler-Pläne verwirklicht.

Erleichtert wird den Versicherern dagegen die Kapitalanlage in der alternativen Energie durch die weitere Verzögerung der neuen EU-Kapitalvorschriften Solvency II. Das eigentlich für 2013, spätestens 2014 avisierte neue Regelwerk kommt jetzt wohl erst 2017. Unter Solvency II hätten die Versicherer für jeden in alternativer Energie investierten Euro 49 Cent Eigenmittel nachweisen müssen – bei Staatsanleihen entfällt eine solche Unterlegung. Doch die Erleichterung wirkt sich vor allem bei kleineren und mittelgroßen Gesellschaften aus – Munich Re und Allianz steuern schon lange nach internen Risikomodellen, die denen von Solvency II ähneln.

Quelle: Capital.de


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