Generali sieht Italiens Probleme locker

Die Generali Deutschland hat 2012 gut verdient. Die Zugehörigkeit zu einem italienischen Konzern bringt keine Nachteile, sagt Konzernchef Dietmar Meister. Neue Lebensversicherungsprodukte will er erst einmal nicht auf den Markt bringen.

Als italienischer Versicherungskonzern in Deutschland unterwegs – das ist trotz Finanzkrise und Turbulenzen bei der Regierungsbildung in Rom kein Nachteil, glaubt die Führung der Generali Deutschland. Beim Neugeschäft spüre man keinerlei Probleme, die Mitgliedschaft im global agierenden Generali-Konzern funktioniere reibungslos, sagte Konzernchef Dietmar Meister. „Da mache ich mir eher Sorgen um die Entwicklung in Europa“, sagte er. „Dass Land und Volkswirtschaft in Italien unter Druck stehen, spürt man natürlich.“

Einen Nachteil müsse man hinnehmen, sagte Meister weiter. „Die Aktionäre drängen auf hohe Ausschüttungen.“ Das gelte aber für alle Aktionäre. Außerdem muss die Generali Deutschland mit dem schlechteren Rating der Mutter leben, das durch die Krise Italiens bedingt ist. Zurzeit wird der Konzern mit „A“ bewertet, der Ausblick ist negativ.

Der deutsche Konzern hat 2012 504 Mio. Euro verdient, 20 Prozent über den 416 Mio. Euro des Vorjahres. „Dafür waren auch eine Reihe von Sondereffekten verantwortlich“, sagte Meister.  Das waren steuerliche Faktoren und Veräußerungsgewinne. Für 2013 kündigte Meister einen Gewinn von über 430 Mio. Euro an, weil die Sondereffekte sich nicht wiederholten.

2012 erzielte die Gruppe, zu der unter anderem die Aachen Münchener, die Generali Versicherung München, Central Kranken, Cosmos gehören, Prämieneinnahmen von 17,2 Mrd. Euro, ein Plus von 6,6 Prozent.

Eine Umsatz-Zielgröße für 2013 nannte Meister nicht. In der Lebensversicherung – hier ist die Generali Marktvize hinter der Allianz – will sie auf Marktniveau wachsen, sich in der Krankenversicherung stabilisieren und in der Schadenversicherung über dem Markt zulegen.

Die Generali will zunächst nicht mit neuen Garantieformen in der Lebensversicherung auf den Markt kommen. „Wir hören auf unsere Vertriebe“, sagte Meister. Dort gebe es keinen Druck in Richtung Änderung der bewährten Modelle. Ohnehin sei die Generali bei der Risikoversicherung und der BU-Abdeckung Marktführer,  auch sonst sei man schon heute sehr flexibel. „Vielleicht haben wir es weniger nötig als andere“, sagte Finanzchef Torsten Utecht. Meister wehrte sich gegen die Annahme, die klassische Lebensversicherung sei tot. „Es ist übertrieben, wenn behauptet wird, in der Lebensversicherung läuft überhaupt nichts mehr.”

In der Krankenversicherung musste der Konzern mit den Folgen der schweren Krise 2011 fertig werden – die Central hatte mit Billigtarifen viele Kunden gelockt, die schon bald zu Nichtzahlern wurden und die Bilanz belasteten. Mit einem  Radikalumbau im Management und einer völlig neuen Tarifpolitik steuerte das Unternehmen um. Die Folge: 2012 ging die Zahl der Vollversicherten um 76.000 auf 418.000 zurück, die Beitragseinnahmen fielen um 2,7 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro.

In der Lebensversicherung nahm das Unternehmen 11,7 Mrd. Euro ein, ein Plus von 8,2 Prozent. Das war im Wesentlichen dem hohen Geschäft gegen Einmalbeitrag geschuldet, das die Generali von 2,7 Mrd. Euro auf 3,6 Mrd. Euro ausbaute. Das „Tagesgeld Plus“ der Direkttochter CosmosDirekt trug maßgeblich dazu bei. Hier handelt es sich um ein bankähnliches Anlageprodukt, das zurzeit 1,75 Prozent Zinsen bietet. „Wir haben wir ein gesondertes Sicherungsvermögen, das völlig getrennt von dem der anderen Verträge ist“, sagte Meister. Zweck des Produkts sei die Gewinnung von Neukunden, viel Geld zu verdienen sei damit nicht. „Das ist vor allem ein Instrument der Kundengewinnung“, sagte Meister.

Quelle: Capital.de


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