Google wird Versicherungsmakler

Der Internet-Gigant Google kommt in Deutschland mit einem eigenen Vergleichsportal für Versicherungen auf den Markt. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen mit der Vermittlung von Autopolicen Geld verdienen. Das setzt viele Autoversicherer und traditionelle Vermittler heftig unter Druck.

Die US-Internetfirma Google gründet ein eigenes Vergleichsportal für Versicherungspolicen in Deutschland.  Nach Informationen von Capital.de aus Branchenkreisen geht der Konzern zurzeit vom Startdatum 1. Juli 2013 aus. Zwar gebe es noch erhebliche technische Probleme, hieß es in den Kreisen, doch bestehe kein Zweifel an der ernsthaften Absicht des Suchmaschinenanbieters, als Versicherungsvermittler tätig zu werden.

Mit Googles Markteintritt wird die Konkurrenz unter den Internet-Vergleichsportalen noch heftiger. Gleichzeitig geraten Versicherer ohne die Möglichkeit von Direktabschlüssen weiter unter Druck. Versicherungsvertreter und Makler werden die neue Konkurrenz ebenfalls spüren.

Vergleichsportale wie Check24, Transparo oder Verivox sind beliebt bei Autofahrern, die eine günstigere Versicherung suchen. Sie müssen die zahlreichen Daten nur einmal eingeben und erhalten dann eine Rangliste von passenden Gesellschaften. Wenn sie dann auf den Link zu dieser Gesellschaft klicken, können sie direkt online abschließen.

Die Portale verdienen ihr Geld mit Provisionen, die Versicherer an sie zahlen – meistens werden 80 Euro bis 100 Euro pro Abschluss genannt. Damit genügend Kunden auf ihre Seiten kommen, geben die Portale Millionen für Anzeigen bei Google aus. Die Kosten belaufen sich meistens auf 5 Euro bis 6 Euro pro Klick auf eine Anzeige, in Spitzenzeiten auch bis zu 15 Euro pro Klick. Google versteigert die Top-Positionen für Ergebnisanzeigen, wenn Kunden Suchwörter wie „Autoversicherung“ oder „günstige Autoversicherung“ eingeben. Da bis zu 100 Klicks ohne Abschluss bleiben, entstehen hohe Anzeigenkosten.

Offenbar will Google jetzt mit beiden Wegen verdienen: Mit den Anzeigen, die Portale und Versicherer schalten, und mit Provisionen von der Assekuranz, wenn die Abschlüsse über das Google-eigene Suchportal kommen.

Google wollte nicht Stellung nehmen. „Dazu können wir nichts sagen“, sagte Petri Kokko, der als Industry Director für Finance & Aggregators – also Finanzbranchen und Vermittler – bei Google Deutschland zuständig ist. „Aber es gibt eine riesengroße Welle im Versicherungsmarkt Richtung Online“, sagte er auf Nachfrage von Capital.de einer Fachkonferenz.  Die Märkte wüchsen sehr schnell. „Da kommen auch  neue Spieler in den Markt.“

Nach Angaben Kokkos werden heute schon 19,9 Prozent aller Abschlüsse in der Autoversicherung online abgeschlossen – entweder bei einem Vergleichsportal wie Check24, Transparo oder Verivox oder bei einem der Direktanbieter wie HUK24, Direct Line oder Allsecur. Das habe eine Untersuchung der Marktforschungsgesellschaft GfK ergeben. „In Großbritannien beträgt der Marktanteil der Direktabschlüsse inzwischen 60 Prozent“, sagte Kokko. „Ich glaube nicht, dass wir das in Deutschland schnell erreichen, aber wir erwarten rasch 30 Prozent, 40 Prozent oder 50 Prozent.“

Vorbild für Google ist Großbritannien: Dort übernahm der Konzern im März 2011 das Portal Beatthatquote.com für 38 Mio. Pfund (44 Mio. Euro). Seither zeigen Google-Recherchen nach günstigen Autoversicherungen unter den klar gekennzeichneten bezahlten Anzeigen einen sogenannten Sponsored Link – dahinter verbirgt sich das Google-eigene Portal. Ähnlich geht der Konzern in den USA mit seinem Reisevergleichsportal vor.

Die Finanzbranche gehört neben dem Einzelhandel und der Reisebranche zu den intensivsten Werbern auf Google. Sie sind weltweit für mehr als zehn Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich, der sich im Jahr 2012 auf 44 Mrd. Dollar (34 Mrd. Euro) summierte. Auch in Deutschland gehört die Versicherungs- und Finanzwelt zu den größten Werbern im Internet.

Dass die 15 Euro pro Klick auf Google-Anzeigen für die Autoversicherer nicht die Obergrenze sein müssen, weiß der Suchmaschinenbetreiber aus den USA. Dort zahlen Anbieter pro Klick auf eine Anzeige nach der Suche „Krankenversicherung für Selbstständige“ 43,39 Dollar, bei „billiger Autoversicherung“ 33,97 Dollar.

Quelle: Capital.de


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