Haas hält das Pulver trocken

Für den Börsenneuling Talanx läuft das Geschäft derzeit rund. Der Konzern profitiert wie andere große Anbieter von guten Rahmenbedingungen in der Schaden- und Unfallversicherung. Für Herausforderungen sorgt aber der von Gerling übernommene Bestand an Lebensversicherungen.

Herbert FrommeDer Versicherungskonzern Talanx reitet die Welle. Der gesamten Branche geht es in der Schaden- und Unfallversicherung aktuell recht gut. Hier versichert sie Autos, Gebäude, Haftpflicht- und Unfallrisiken. Wenige Schäden durch Naturgefahren und steigende Preise sorgen dafür, dass die großen Versicherer in diesen Sparten gut dastehen. Das gilt ganz besonders für den 2012 frisch an die Börse gekommenen Versicherer: Denn der Konzern hat genau hier seine Stärken, hatte nie einen privaten Krankenversicherer und ist in der Lebensversicherung weniger exponiert als viele Rivalen.

Das heißt aber nicht, dass Talanx überhaupt keine Probleme mit der Lebensversicherung hat. Im Gegenteil – die Altlasten der lebenslänglichen Zinsgarantien von vier Prozent drücken auch die Hannoveraner, gerade weil sie 2006 die Gerling Lebensversicherung übernommen haben. Gerling brachte einen großen Bestand an solchen Verträgen in die Gruppe ein. Heute werden sie zum Problem.

Dazu kommt eine andere Baustelle. Seit zwei Jahren saniert das Unternehmen sein deutsches Privat- und Firmenkundengeschäft. Fertig ist Talanx noch lange nicht. Es kann sehr gut sein, dass Konzernchef Herbert Haas hier noch mehr tun muss als bisher angesagt. Da passt es gut, dass er den Versuchungen der bislang positiven Börsenentwicklung widersteht. Er sucht keine Kapitalerhöhung und will auch keine weiteren Aktien verkaufen. Damit hält Talanx das Pulver trocken. Der Konzern könnte es plötzlich brauchen – entweder, weil es eine große Übernahmegelegenheit gibt, oder weil die Krise doch noch Probleme macht.

Quelle: Capital.de


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