Worauf Kunden bei der Wiederanlage achten sollten

Die Versicherer werben verstärkt um Kunden, bei denen demnächst eine Lebensversicherung ausläuft. Sie wollen sie davon überzeugen, das ausgezahlte Geld gleich wieder bei ihnen für die Rente anzulegen. Versicherte sollten jedoch vorsichtig sein und die Angebote genau prüfen.

Eine lange Reise machen, endlich das 30 Jahre alte Badezimmer renovieren oder ein Motorrad kaufen – wenn die Auszahlung der Lebensversicherung ansteht, wissen viele Sparer schon, was sie mit dem zusätzlichen Geld anfangen wollen. Der größte Teil der Kunden will sich und der Familie erst einmal etwas Gutes tun – an die Wiederanlage der ausgezahlten Summe denken nur wenige.

Tatsächlich landet nur ein geringer Teil der rund 40 Mio. Euro, die Versicherer jährlich an Kunden wegen auslaufender Lebensversicherungen auszahlen, wieder in den Unternehmen. Detlef Schmidt, Inhaber der Schmidt Management Consulting GmbH (SMC), schätzt den Anteil des wieder angelegten Geldes auf 10 Prozent. Sein Unternehmen erhebt regelmäßig Daten zu diesem Thema. „Die Versicherer haben ein Wiederanlageproblem“, sagt er.

Für die Gesellschaften ist die niedrige Quote ein Ärgernis. Sie werben verstärkt um Kunden und deren Gelder, damit sie an den Kapitalmärkten weiter damit arbeiten können. Dafür haben die meisten von ihnen spezielle Wiederanlagemanagement-Systeme eingerichtet. „Viele habe eigene Abteilungen, die sich nur mit diesem Thema beschäftigen“, sagt Christian Jaffke, Produktmanager beim Maklerpool Jung, DMS &Cie.

Die Allianz schreibt ihre Kunden etwa zwölf Monate vor Ablauf an und sendet Unterlagen, die alle Möglichkeiten der Wiederanlage bei dem Versicherer auflisten. Wenige Monate vor Auszahlungstermin erhalten die Versicherten zudem Informationen zu möglichen Übergangslösungen wie einem Parkkonto. Bei der Axa läuft es ähnlich. Wie die meisten Versicherer bietet sie ein Parkkonto an, das Kunden über einen Zeitraum von einem halben Jahr  einen Zins von einem Prozent garantiert. Bei der Allianz liegt dieser Zins bei 1,4 Prozent, allerdings besteht die Garantie nur über drei Monate. „Der Kunde kann jederzeit aus dem Parkdepot aussteigen und auf das Kapital zugreifen“, sagt Allianz-Sprecher Udo Rössler.

Auf solchen Parkkonten können Kunden das ausgezahlte Geld zwischenlagern, bis sie wissen, was sie langfristig damit machen wollen. Der Vorteil für die Versicherer: Mit den kurzfristig laufenden Konten können sie sich die Überweisung der Summen an die Hausbank sparen und Zeit für ausführlichere Beratung gewinnen.

Joachim Geiberger, Geschäftsführender Gesellschafter des Analysehauses Morgen und Morgen, findet es sinnvoll, den ausgezahlten Geldbetrag zunächst in drei Teile aufzuteilen  – einen für den kurzfristigen Konsum wie eine Weltreise, einen für mittelfristig anstehende Ausgaben wie die finanzielle Unterstützung der Ausbildung des Enkels und einen für die Aufbesserung der eigenen Rente in zehn Jahren. „Die Prozentsätze können aber auch anders aussehen, je nach den Wünschen des Versicherten“, sagt er. „Es ist ein utopischer Glaube der Versicherer, den Kunden dazu bewegen zu können, 100 Prozent des angesparten Geldes sofort wieder anzulegen.“

Besonders gut verkaufen sich derzeit Sofortrenten gegen Einmalbetrag und klassische Rentenversicherungen, hat die aktuelle SMC-Studie von Detlef Schmidt ergeben. Das liegt auch daran, dass die meisten Kunden um die 60 Jahre verstärkt Wert auf die sichere Anlage ihres Geldes legen. Bei den Sofortrenten zahlt der Anbieter eine monatlich garantierte Rente, die durch die fällige Überschussbeteiligung mehr oder weniger stark aufgebessert wird. Für Kunden, denen die Sicherheit ihres Geldes wichtig ist, sind diese Produkte eine gute Wahl, glaubt Rössler von der Allianz. „Nur eine Rentenversicherung kann garantieren, dass dem Kunden das Geld im Ruhestand nicht ausgeht, unabhängig davon, wie alt er wird“, sagt er.

Wer sich für eine solche Rente entscheidet, kann aber schnell enttäuscht werden, wenn er die monatlichen Beträge sieht, die ihm zustehen. Wer 100 000 Euro komplett in eine solche Rente gibt, bekommt nur rund 400 Euro an monatlichen Bezügen ausgezahlt, bei einer Soforteinzahlung von 60 000 Euro sind es nur noch rund 200 Euro. Das liegt vor allem daran, dass die Versicherer die steigende Lebenserwartung der Menschen in ihre Tarife einkalkulieren. „Dadurch, dass die Menschen heute viel älter werden als noch vor 20 oder 30 Jahren, kommt auch bei hohen Einzahlungen in eine Sofortrente mit Einmalzahlung nur eine vergleichsweise geringe monatliche Rente heraus“, sagt Geiberger von Morgen und Morgen.

Wem die garantierte Rente aus den Einmalbeitrags-Angeboten zu gering ist, kann sich auch für einen Auszahlplan mit einer bestimmten Laufzeit entscheiden, den viele Banken und Investmentgesellschaften anbieten. Das eingezahlte Vermögen wird während der Laufzeit weiter verzinst. „Allerdings ist nicht garantiert, dass das Geld bis zum Lebensende tatsächlich reicht”, sagt er.

Immer beliebter unter den älteren Kunden werden Produkte, die sich um die Versorgung im Pflegefall drehen. „In den vergangenen Jahren hat die Pflegevorsorge in Wiederanlagegesprächen einen hohen Stellenwert gewonnen”, berichtet Rössler. Denn immer mehr Menschen werden im Alter pflegebedürftig und wollen selbst vorsorgen.

Verbraucherschützer raten Inhabern auslaufender Lebensversicherungen, nicht das erstbeste angebotene Produkt zu kaufen, sondern verschiedene Angebote zu vergleichen. Nach Ansicht von Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg stehen Kunden immer noch vor dem Dilemma, keine wirkliche Alternative zur provisionsbasierten Beratung zu haben. „Jeder Vermittler berät im Auftrag und Interesse eines Versicherers, einer Bank oder einer anderen Anlagegesellschaft. Es gibt keine wirklich ergebnisoffene Beratung, nicht einmal bei Honorarberatern, weil hier der Markt noch völlig unreguliert ist.” Dem Kunden bleibe nur die Möglichkeit, Angebote zu vergleichen und von vielen Meinungen letztendlich einer zu vertrauen – völlige Sicherheit fehle.

Quelle: Capital.de


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