Wüstenrot & Württembergische baut Stellen ab

Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische reduziert die Belegschaft um 10 Prozent und kündigt deutlich geringere Gewinne für 2013 und 2014 an. Damit will Konzernchef Alexander Erdland die Gruppe zukunftssicher machen.

Der Stuttgarter Bauspar- und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) plant, die Zahl der Vollzeitstellen ohne Auszubildende von heute 7.900 bis zum Jahr 2015 um bis zu 800 zu reduzieren. Das kündigte Konzernchef Alexander Erdland in einer Telefonkonferenz an. „Wir wollen das jährliche Kostenniveau bis 2016 um 140 Mio. Euro absenken“, sagte Erdland. Dafür legt das Unternehmen ein neues Programm auf, „W&W 2015“. Das Vorgängerprogramm ist 2012 ausgelaufen.

„Wir wollen in das Programm mehr als 250 Mio. Euro investieren“, sagte Erdland. Deshalb müsse der Konzern seine Gewinnziele zurücknehmen. Nach dem Rekord-Konzerngewinn von 235 Mio. Euro für 2012 (Vorjahr: 192 Mio. Euro), peilt das Unternehmen für 2013 nur 125 Mio. Euro an, für 2014 180 Mio. Euro. „Ab 2016 wollen wir 250 Mio. Euro jährlich verdienen.“ Das brauche das Unternehmen schon allein, um seine Wachstumspläne mit ausreichend Kapital zu unterlegen.

Die Gruppe entstand 1999 durch die Fusion der Bausparkasse Wüstenrot mit dem Versicherer Württembergische. Die Wüstenrot Holding besitzt 66,1 Prozent des börsennotierten Unternehmens, zu den anderen Aktionären gehören die Horus Finanzholding, die Bank Unicredit, die einheimische L-Bank sowie Swiss Re.

Erdland, der auch Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ist, beklagte die doppelte Belastung durch politisch gewollte niedrige Zinsen und hohe Kosten der immer aufwendiger werdenden Regulierung. Gleichzeitig sinke die Bereitschaft, privat für das Alter vorzusorgen. „In Deutschland ist es zu einer neuen, fast widersinnigen Staatsgläubigkeit gekommen.“ Dabei erforderten die demographische Entwicklung und die niedrigen Zinsen eher mehr Vorsorge als weniger.

Die Obergesellschaft W&W AG verdiente 2012 nach deutscher HGB-Rechnungslegung 70 Mio. Euro – und damit weniger als die 75 Mio. Euro des Vorjahres und deutlich unter der Planzahl von 100 Mio. Euro. Erdland begründete das mit geringeren Ausschüttungen der Töchter, die Gewinne für den Kapitalaufbau nutzten. Die Dividende soll mit 0,50 Euro pro Aktie aber konstant bleiben.

Der Konzern meldete Prämieneinnahmen von 3,91 Mrd. Euro, 4 Prozent über den 3,75 Mrd. Euro des Vorjahres. Die Leistungen aus Versicherungsverträgen stiegen dagegen um deutliche 19 Prozent von 3,46 Mrd. Euro auf 4,12 Mrd. Euro.

Ein Hauptgrund: Das Unternehmen musste die Reservetöpfe in der Lebensversicherung aufstocken – das zählt als Leistung an die Kunden – und damit für die hohen Garantiezinsen von vier Prozent aus den 90er-Jahren vorsorgen. Um das zu erreichen, verkaufte W&W Wertpapiere und realisierte so Gewinne.

Die Stärkung der Reserven in der Lebensversicherung hat einen für das Unternehmen positiven Nebeneffekt. Dadurch werden die Eigenmittel gestärkt. Sie bestehen bei deutschen Lebensversicherern zum größten Teil aus diesen Reserven, die den Kunden zustehen, und nur zum kleineren Teil aus dem Kapital der Aktionäre.

Quelle: Capital.de


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