Aktionäre loben Münchener Rück

Vorstandschef spricht von erfreulichem ersten Quartal · Wahlschlappe fürAufsichtsratschef Schinzler

Von Herbert Fromme, München

Vor allem angelsächsische Großanleger haben Münchener-Rück-Aufsichtsratschef Hans-Jürgen Schinzler gestern bei der Neuwahl des Gremiums ein schlechtes Wahlergebnis beschert. Der ehemalige Vorstandschef des Konzerns erhielt nur 64,55 Prozent der Stimmen, während fast alle anderen Räte mehr als 98 Prozent verbuchten – darunter Siemens-Chef Peter Löscher und der frühere Telekom-Chef Ron Sommer, gegen dessen Wahl sich Aktionäre ausgesprochen hatten. Der frühere EU-Kommissar Karel van Miert erzielte mit 91,01 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis.

Institutionelle Anleger aus Großbritannien und den USA sehen die Wahl von Ex-Konzernchefs zu Aufsichtsratsvorsitzenden zunehmend kritisch. Im November 2008 hatte der US-Aktionärsservice Risk Metrics Group (RMG) angekündigt, seinen Mandanten künftig die Ablehnung einer solchen Wahl zu empfehlen. RMG vertritt zahlreiche Pensionsfonds und andere Investoren bei Hauptversammlungen. Auch andere Großanleger richten sich nach den RMG-Leitlinien.

Nach der Hauptversammlung wählte der Aufsichtsrat Schinzler erneut zu seinem Vorsitzenden. Ein Mitglied sagte, das Unternehmen könne froh sein, einen so sachkundigen Mann an der Spitze des Gremiums zu haben.

Konzernchef Nikolaus von Bomhard erhielt viel Aktionärslob für das trotz Krise stabile Ergebnis des weltgrößten Rückversicherers, vor allem verglichen mit der schwierigen Situation des Rivalen Swiss Re. Auch, dass die Dividende trotz des Gewinnrückgangs unverändert bei 5,50 Euro liegt – eine Ausschüttungsquote von über 70 Prozent – sorgte für gute Stimmung.

Bomhard sagte, das erste Quartal sei zufriedenstellend verlaufen. Zwar habe es weitere Abschreibungen auf Wertpapiere gegeben. „Andererseits war die Entwicklung des operativen Versicherungsgeschäfts erfreulich, mit überschaubaren Großschäden aus Naturkatastrophen.“

Deutlich defensiver traten Bomhard und Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek auf, als es um die Marktentwicklung für die Rückversicherung ging. In diesem Kerngeschäftsfeld deckt das Unternehmen Erstversicherer wie R+V oder Zurich gegen Großschäden und Katastrophen ab. Im September 2008 hatte die Münchener Rück wegen der Finanzkrise Preiserhöhungen im deutlich zweistelligen Bereich angekündigt. Bei den Vertragsverhandlungen zum Januar waren es dann 2,6 Prozent. „Wir sind nicht zufrieden“, sagte Jeworrek. Man habe im September „den Kopf aus dem Fenster gesteckt“. Zwar seien Preise für Hurrikandeckungen sowie die Versicherung von Ölplattformen und Flugzeugen deutlich gestiegen. „In den regionalen Segmenten sieht das etwas anders aus“, sagte Jeworrek. „Wir haben das Gefühl gehabt, dass Versicherer manchmal so tun, als ob die Finanzkrise sie nicht betrifft.“

Mittelfristig werde die Krise aber zu deutlich verstärkter Nachfrage führen, sagte Bomhard. Der Konzernchef kritisierte auch manche Rivalen, die den Vertrauensverlust bei ihren Kunden durch Preissenkungen wettmachen wollten.

Bomhard sagte, die Münchener Rück gewinne Geschäft, das Kunden bei anderen Rückversicherern abziehen. Außerdem gebe es „sehr intensive Verhandlungen über neue Großtransaktionen“ vor allem in der Lebensrückversicherung. „Die wären unter normalen Bedingungen nicht zustande gekommen.“ Rückversicherung könne teures Eigenkapital ersetzen.

Bomhard verteidigte die Aussetzung des Aktienrückkaufprogramms der Gesellschaft – bisher hat sie 3 Mrd. Euro der insgesamt geplanten 5 Mrd. Euro zurückgekauft. Die Krise werde dazu führen, dass es attraktive Übernahmemöglichkeiten geben werde, sagte er.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


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