Allianz kurz vor Verkauf von Anteilen an China-Bank

Experten sorgen sich um Prozesse in den USA

Von Sundeep Tucker, Hongkong,

und Herbert Fromme, Köln

Die Allianz steht nach Informationen aus Finanzkreisen kurz vor dem Verkauf der Hälfte ihres Anteils von knapp zwei Prozent an der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Die US-Finanzgruppe American Express wolle die Hälfte ihrer 0,4 Prozent ebenfalls verkaufen. Morgen läuft eine entsprechende Haltefrist ab. Der Verkauf der Anteile würde den beiden Konzernen zusammen 2,1 Mrd. $ einbringen – auf Basis des Aktienkurses vom Freitag.

Die Allianz hatte die Anteile 2006 übernommen, ebenso wie American Express und Goldman Sachs. Goldman besitzt 4,9 Prozent und hat im März öffentlich angekündigt, mindestens 80 Prozent davon bis April 2010 zu halten.

Vor drei Jahren galten Aktien chinesischer Banken als strategisch höchst bedeutsam, in der heutigen Finanzkrise wollen die Käufer Kasse machen. UBS und Royal Bank of Scotland haben ihre Anteile an der Bank of China für zusammen 3,2 Mrd. $ verkauft, die Bank of America nahm 2,8 Mrd. $ durch die Abgabe eines Anteils an der China Construction Bank ein. Künftig will China bei Bankaktien auf einer Haltefrist von fünf Jahren bestehen.

Der Verkauf könnte laut Analysten den Aktienkurs der Allianz weiter beflügeln. Die Allianz-Aktie schnitt in den vergangenen drei Monaten bereits 15 Prozent besser ab als der Branchendurchschnitt europäischer Versicherer.

Negativ äußerten sich am Freitag indes die Analysten der japanischen Bank Nomura aufgrund der laufenden Prozesse gegen die Allianz in den USA. Dort wird dem Konzern vorgeworfen, beim Verkauf von indexbezogenen Lebensversicherungspolicen Vorschriften verletzt zu haben. Die Londoner Nomura-Analysten glauben, dass die Allianz zu Entschädigungen von rund 2 Mrd. $ verurteilt werden könnte. Dazu komme, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Regeln für solche Policen – die immer noch das Hauptprodukt der Allianz im US-Lebensmarkt darstellen – deutlich verschärft hat. Sie müssen ab 2011 bei der SEC registriert werden. Mehr als 30 Prozent der Vermittler, die nicht SEC-registriert sind, dürfen sie dann nicht mehr verkaufen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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